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Aachen: Roger Hodgson: Großes Lob fürs Sinfonieorchester

Aachen : Roger Hodgson: Großes Lob fürs Sinfonieorchester

Ein Konzertabend mit Roger Hodgson ist wie ein Wiedersehen mit einem vertrauten Freund. Man begrüßt sich mit einer innigen Umarmung, nimmt sich zwei, drei Stunden Zeit, gemeinsam in alten Zeiten zu schwelgen und verabschiedet sich beschwingt mit dem festen Vorsatz, sich möglichst bald wiederzusehen. Es gibt ja noch so viel zu erzählen.

Er hat noch beste Erinnerungen

Sympathischer Star ohne Allüren: Roger Hodgson bestritt das Abschlusskonzert der diesjährigen Kurpark Classix in Aachen. Foto: Andreas Herrmann

„40 Jahre Popgeschichte in der Champions-League“ liegen hinter dem langmähnigen Briten, der mit seiner Musik und seiner charakteristischen Tenorstimme die Kultband Supertramp entscheidend mitgeprägt hat. So kündigte ihn Konzertveranstalter Christian Mourad an, der Hodgson bereits 2009 in Aachen präsentiert hat und ihn samt Band und Sinfonieorchester zum Abschluss der diesjährigen Kurpark Classix nun im sogenannten Crossover-Block erneut auf die Bühne in dem höchst stimmungsvollen, baumbestandenen Areal holte. Ein Wiedersehen nach fünf Jahren also, das niemanden fremdeln ließ.

Der 64-jährige Komponist und Sänger hat offenbar beste Erinnerungen an seinen damaligen Auftritt, und sein Aachener Publikum an ihn ja sowieso. So ist das Vergnügen beiderseits, als Hodgson mit „Take the Long Way Home“ umstandslos in den Abend startet und mit „School“ ordentlich nachlegt. Die anfänglichen Soundprobleme sind schnell behoben, der Abend nimmt Fahrt auf, und spätestens bei „Breakfast in America“ reißt es auch die coolsten Zuhörer erstmals von den Sitzen.

Die Aachener Sinfoniker unter dem Dirigat von Volker Hiemeyer haben derweil alle Mühe, sich gegen den satt verstärkten Sound der Band zu behaupten, in der vor allem Saxophonist Aaron MacDonald neben Hodgson hervorsticht und immer wieder mit Sonderapplaus bedacht wird. Letztlich sind es nur wenige Stücke wie „Child of vision“ oder natürlich die „Fool‘s Overture“, die den Sinfonikern hörbar Präsenz gewähren. Das Lob des Meisters ist dem Orchester dennoch sicher. Es sei eines der besten, wenn nicht sogar das beste, mit dem er je gespielt habe, sagt Hodgson.

Es sind solche Freundlichkeiten, die diesen Herrn mit den vielen Lachfältchen im Gesicht so sympathisch wirken lassen. Starallüren scheinen ihm völlig fremd zu sein. Beinahe scheu und eher sanft sagt er seine Songs an, die einen Großteil der Zuhörer nun auch schon seit Jahrzehnten begleitet haben dürften.

Nach einer etwas zu ausgedehnten Pause geht es zunächst getragener und melancholischer zu, bevor Hodgson zum Endspurt ansetzt und Gänsehaut-Feeling in den nächtlichen Park zaubert. Ohne Zugabe will ihn das restlos begeisterte Publikum natürlich nicht ziehen lassen. Und so legt er mit seinen Megahits „Give A Little Bit“ „Two of Us“ und „It‘s Raining Again“ noch mal richtig nach.

Es wird getanzt und gesungen

Es wird getanzt, gelacht, gesungen, gejubelt — ganz so, wie es sich Hodgson zu Beginn des Abends gewünscht hat. Dass aus dem angekündigten zweistündigen Open-Air-Event am Ende ein knapp dreistündiges geworden ist, hat kaum jemand richtig mitgekriegt. Wie bei jedem Treffen mit einem guten Freund ist die Zeit auch diesmal wieder viel zu schnell verflogen. „Ich hoffe, euch bald wiederzusehen“, ruft Hodgson seinen glücklich in die Nacht ziehenden Fans noch hinterher. Dem ist nichts hinzuzufügen.