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Aachen: Rockig-melancholisches Stück geht unter die Haut

Aachen : Rockig-melancholisches Stück geht unter die Haut

Fünf junge Leute in einem Proberaum für Musik, das Leben und die Liebe - wenn sich die Garagentore nach oben bewegen, fühlen sich die Zuschauer mitten im Geschehen.

Und es geschieht sehr viel an diesem Abend im Das Da Theater, wo „Nellie Goodbye”, das Stück des 40-jährigen Erfolgsautors Lutz Hübner über die liebevoll ausgestattete Bühne fegt. Drei junge Frauen und zwei junge Männer wollen sich in einer elterlichen Garage ganz nach oben rocken; „Nutzlose Schönheiten” heißt ihre Band, die immerhin schon den Contest zu einem größeren Festival gewonnen hat.

Was zunächst wie ein RTL-Jugendstück anmuten mag, mit coolem Jargon und zuweilen rüdem Vokabular, entpuppt sich in der kraftvollen Inszenierung von Tom Hirtz als tief berührendes Drama einer schmerzlichen Reifung junger Menschen, die zum ersten Mal mit Vergänglichkeit und Tod konfrontiert werden.

Gleich zu Beginn nimmt die rockig-melancholische Musik von Christoph Eisenburger und Birk Schmithüsen jeden einzelnen im Zuschauerraum gefangen - Daniela Gölden als Leadsängerin Nellie im Sexy-Outfit trägt ihre eigenen Texte vor, als hätte sie schon immer öffentlich gesungen und sich schon immer unterkühlt-lasziv geräkelt wie die junge Michelle Pfeiffer in „Die fabelhaften Baker Boys”.

In ihrem überwältigend schlichten Song „Nellie Goddbye” klingt bereits „Der Tod und das Mädchen” an - kein zartes Schubert-Lied, vielmehr eine bluesig erzählte Ahnung von Beziehungsende und Sterben.

Ausstrahlung

Kein dödeliger „Superstar” wird hier mit Applaus überhäuft, sondern eine musikalische Schauspielerin mit Ausstrahlung, die sich selbst übertrifft. Und immer genau den Ton der heute 20-25-Jährigen trifft, ebenso wie die anderen Darsteller, die es nicht leicht haben neben der charismatischen „Frontfrau”.

Hier zahlt sich tausendfach aus, dass Tom Hirtz die „Nachwuchspflege” in seinem Theater so sorgfältig betrieben hat, denn auch Tobias David, Katja Meiners, Ina Pappert und Birk Schmithüsen überzeugen mit starken Leistungen. Und auch sie haben Musik im Blut: Tobias David am Schlagzeug entwickelt seinen Part als schnöseliger, rotzfrecher „Klassenclown” konsequent weiter bis hin zum starken Anführer, der die auseinander fallende Band am Leben erhält.

Ina Pappert an der Bassgitarre imponiert mit ihrer schnörkellosen Echtheit, die sie als Freundin der todkranken Nellie an den Tag legt, Birk Schmithüsen (E-Gitarre) zeigt sein Doppeltalent als Komponist und in seiner Rolle von Nellies Freund Jonny, der zunächst entscheidungsschwach „herumeiert”.

Doch auch er reift an diesem Kampf um die Band und um Nellies Leben, ebenso wie Managerin Tina, die durch Nellies Krankheit zur Leadsängerin aufsteigt und von Katja Meiner überzeugend verkörpert wird.

Unerhört stark und bewegend: Zwischen Angst und Hoffnung offenbart sich die Verletzlichkeit der jungen Menschen, ihr Mut und ihr Versagen, ihre neu erwachte Kraft, die ihnen durch Ehrlichkeit und echte Kameradschaft wieder zuwächst. Hübners unverstellt offene Sprache trägt das sensible Drama ebenso wie die „selbst gemachte” Rockmusik.

Viel und langanhaltender Applaus für Darsteller und Regie.