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Düsseldorf: Robbie Williams in Düsseldorf: Das ganze Stadion singt lauthals mit

Düsseldorf : Robbie Williams in Düsseldorf: Das ganze Stadion singt lauthals mit

Die Versuchung an dieser Stelle über Brüste zu schreiben, ist groß. Man könnte schreiben, dass er es wieder getan hat. Spekulieren, ob er es wieder tun wird. Oder grundsätzlich erörtern, ob diese Tat eine Tat oder eine Untat ist.

Weil Brüste Brüste sind und keine Schreibunterlagen. Wegen der Jugend im Publikum, wegen Sexismus. Aber darum geht es hier ja eigentlich gar nicht. Es geht um Robbie Williams und um sein Konzert Mittwoch im ausverkauften Düsseldorfer Stadion. Und das war großartig.

Zu Anfang eine Hymne

Am Anfang steht Schlimmes zu befürchten. Zwei Plakatkleber auf einer Hebebühne machen sich daran, die gigantischen Umrisse zweier Boxer, die die Bühne umrahmen, zu bekleben. Quadrat um Quadrat. Dazwischen prosten sie sich zu, palavern, postieren ihre Besen zum Glätten Teile um. Bevor die sportiven Starschnitte im Format XXXL fertig sind, wird’s nicht losgehen. Oje. Das kann dauern. Sm Ende geht’s doch ganz fix.

Stopp. Erst müssen wir noch zur Melodie von „Land of Hope and Glory“ die Hymne „God Bless Our Robbie“ auf den „König des Songs“ singen. Und uns dazu erheben. Wir sind keine Briten. Wir haben keine Queen. Aber wir tun’s alle. Robert Peter Williams, inzwischen 43 Jahre alt, etwas draller, aber immer noch Robbie, verfügt nicht nur über ein gesundes Selbstbewusstsein. Er hat auch Humor. Und der einstige Booygroup-Schwarm aus Staffordshire versteht es ganz vorzüglich, Erwartungen zu steigern. Die keineswegs enttäuscht werden.

Inklusive Vorspiel über 90 Minuten lang. Diese „Heavy Entertainment Show“ unterhält tatsächlich schwerst. Mit all den vielen Gimmicks wie den putzigen Plakatgebern oder einem pinkfarbigen Boxhandschuh als luftige Sänfte. Mit 15 Stücken von sieben Alben aus rund 20 Jahren, einem A-cappella-Medley, das das ganze Stadion mitsingt und drei Zugaben. Und einem Protagonisten, der sich bei diesem furiosen Fest tatsächlich als Schwerstarbeiter erweist. Robbie Williams klotzt mächtig ran und zieht alle Register. Souverän.

Wir erleben den Sänger im luftigen Kilt als Partymacher („Let Me Entertain You“), als Wiedereinsteiger bei Take That („The Flood“) und als Verehrer von George Michael („Freedom 90“). Wenn er einen falschen Einsatz abwatscht („What the fuck! Das ist nicht gut, das ist actual Scheise!“) hat er den rüden Ton noch immer drauf, er zeigt sein Höschen (Leodesign) und seinen Hintern (im Höschen) und, ja, er signiert auch wieder Brüste. Wie schon in Dresden. Wobei die Dame in Düsseldorf das diesmal nicht ganz freiwillig tut. Sondern erst auf Aufforderung und zögerlich. Kann man verstehen. Die Kamera hält voll drauf. Mit Düsseldorferin Stefanie aus dem Publikum singt er die Swing-Schmonzette „Somethin’ Stupid“, und Stefanie, die ihr Glück nicht fassen kann, mutiert dafür auch klaglos mit Halbmaske zur Nicole- Kidman-Karikatur. Als Familienmensch nimmt Robbie mit Papa Peter zum Duett „Sweet Caroline“ auf einem karierten Sofa Platz und erzählt Anekdoten von Tochter Teddy und Sohn Charlie: „Mami, wenn wir Papi im Fernsehen gesehen haben, dürfen wir dann etwas sehen, was wir sehen wollen?“

Wir haben alles gesehen, was wir sehen wollten. Und alles gehört: „Rock DJ“, „Feel“, „Rudebox“, „Strong“ und das großartige neue „Party Like A Russian“ mit seinem Prokofjew-Sample.

Minuspunkte? Die Kaffeewerbung vorneweg vielleicht. Auch der Sound hätte anfangs besser sein können. Sonst noch was? Wie er gesungen hat? Ganz fantastisch natürlich.