1. Kultur

Rin Konzert in Köln Palladium drei Mal ausverkauft

Konzert in Köln : Dreimal Soundgewitter

Rapper Rin begeistert beim Triple in Köln. Tatsächlich ist das Palladium an diesem Wochenende an allen Tagen ausverkauft.

„Es war mir eine Ehre Köln, schon bei der allerersten Show“, mit diesen Worten verabschiedet sich Rin alias Renato Simunovic am Freitag im Palladium von seinen Fans. Nein. Noch nicht ganz. Eine Zugabe ist noch drin: „Dior 2001“. Aber dann macht der Rapper aus Bietigheim-Bissingen endgültig Schluss. Nach 72 Minuten. Samstag und Sonntag wiederholt sich das Ganze; gleich dreimal füllt der Endzwanziger mit den roten Haaren die Halle in Mülheim. Mit neuen Stücken wie „Hollywood“, „Up in Smoke“ oder „Keine Liebe“ und älteren Hits wie „Bass“, „Monica Bellucci“ oder „Nike“. Mit einer Mega-Bühnen-Show, zu der Fontänen gehören, die in Minutenabständen Dampf ablassen, während zwei Scheinwerferrondelle aufblinken, als seien das die beweglichen Facettenaugen gigantischer Aliens. Und einem Soundgewitter, das die Gehörgänge das Fürchten lehren kann.

Schweißnasse Jungs werfen ihre T-Shirts ab, pogen oben ohne, Mädels mit Spaghetti-Träger-Tops hüpfen bauchfrei auf und nieder, kreischen Rins neuste Hymne: „Nimmer-, Nimmer-, Nimmer-, Nimmerland, ha-ah-aha“. Als Namensgeber für sein aktuelles Album hat sich Simunovic die Insel aus J.M. Barries Klassiker erkoren. „Wir leben für das Leben, nicht für Instagram, wir werden niemals älter, wie in Nimmerland“, heißt es in „Bietigheimication“, einem anderen Stück von der neuen Scheibe.

Das ist doppelt verwunderlich. Zum Einen, weil der „New Romantic“ unter den Rappern damit dem sozialen Medienrummel eine Absage erteilt, die er auch beim Konzert vertritt: „Tut bitte eure Handys weg und nehmt eure Hände hoch!“ Und zum Anderen, weil er zwar genrekonforme Begriffe wie Bitches, Brazzers und Bros verwendet, aber dabei durchaus bürgerliche Bildung an den Tag legt. Auf Ghetto reimt er den Ziehvater von Pinocchio, beim Impressionisten mit den Seerosen leiht er sich ein Bild und beim Salzburger mit der kleinen Nachtmusik eine Melodie, die im Kopf spielt. Um bei „Immer, wenn sie „Immer“ schreibt, weiß ich gleich, dass sie nicht mehr bleibt“ abzutanzen und sich wegzubrüllen, muss man nicht wissen, wer Gepetto ist. Oder Monet. Oder Mozart. Es macht auch so ein gutes Gefühl.