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Aachen/Düren: Richter inspizieren Dürener Burger King

Aachen/Düren : Richter inspizieren Dürener Burger King

Beinahe ein Scorsese-Drama, was da im Birkesdorfer Burger King vonstatten ging. Zwei Schüsse fielen, einer davon war tödlich, ein Mann stürzte mit einem Projektil im Kopf vor dem Ausgang nieder.

Den Dürener Fastfood-Laden an der B56 umhüllt seit einem Jahr ein Geheimnis, das bislang auch das Schwurgericht nicht lüften konnte. Auf der Anklagebank sitzt ein 30-jähriger Sinti aus dem Raum Düsseldorf. Laut Staatsanwalt soll er das 23-jährige Opfer am 4. Februar gegen 18.45 Uhr mit einem Kopfschuss im Eingang des Burger King niedergestreckt haben, dies nach einem heftigen Streit innerhalb einer etwa neun Männer starken Gruppe.

Der Angeklagte bestreitet das. Es seien zwei Schüsse gefallen, er habe nur einen Warnschuss abgegeben. Wieder und Wieder wurden am Mittwoch Videomitschnitte angeschaut, ihr Nachteil: Die Bilder sind in einer Zeitdifferenz von zwei Sekunden geschossen, zeigen nur einen begrenzten Ausschnitt.

Dem Vorsitzenden Richter Dr. Gerd Nohl entfuhr ein Stoßseufzer. „Das hier ist alles ziemlich schwierig”, meinte er zur 27-jährigen Angestellten des Schnellrestaurants, die aus der Küche heraus kaum etwas gesehen hatte. „Haben die Schüsse unterschiedlich geklungen?”, wollten die Richter wissen. Schulterzucken, nein. Nur einen Mann, der mitten durch die Burger-Küche flüchtete, hatte die Zeugin deutlich gesehen.

Das Szenario im Burger King entzieht sich immer weiter genauer juristischer Klärung. Dies obgleich die Kammer einen Zeugen hörte, dessen Aussage exakter nicht hätte sein können. Nur: Der Jurastudent, etwa Mitte 20, beschreibt einen Tathergang, der die Anklage als absurd erscheinen lässt.

Knapp einen Meter neben ihm, beschrieb der angehende Jurist in klaren und korrekt formulierten Sätzen die Horrorminuten (ein Gast aß übrigens einfach weiter und beschwerte sich hinterher, man könne wohl nirgendwo mehr in Ruhe essen), habe ein südländisch aussehender Mann einen Schuss Richtung Ausgang abgegeben.

Den schlanken Angeklagten erkannte er nicht: „Das war ein untersetzter Schrank”, beschrieb er den Schützen. Ein zweiter Schuss fiel kurz danach, Spuren fand man unter einem Fenster. Um der Sache auf den Grund zu gehen ordnete die Kammer einen Ortstermin an - am kommenden Montag wird der Tatort besichtigt.