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Aachen: „Renaissancekonzert“: Klänge von erlesener Schönheit

Aachen : „Renaissancekonzert“: Klänge von erlesener Schönheit

Pünktlich zum Reformationsjahr stimmen die 43. Aachener Bachtage unter dem Motto „Mit Bach zu Luther“ auf den zu erwartenden Veranstaltungsregen der kommenden Monate ein.

Von Bach war im „Renaissancekonzert“ am Allerheiligentag zwar noch nichts zu hören, doch das Freiburger Dufay Ensemble ermöglichte in der voll besetzten Aachener Annakirche interessante Einblicke in das Vorfeld der barocken Höhenflüge, die Heinrich Schütz und vor allem Johann Sebastian Bach anstimmen sollten. Der Leiter des Aachener Bachvereins, Georg Hage, gehört dem sechsköpfigen Vokalensemble seit 15 Jahren als Bassist an.

Das Ensemble, besetzt mit Kasper Kröner (Altus), Rolf Ehlers (Haut-Contre), Florian Cramer, Clemens Flämig (Tenor) und eben Georg Hage, entfaltet einen hellen, ausgewogenen Klang von erlesener Schönheit, in Artikulation und Phrasierung perfekt ausgeführt, wobei der Haut-Contre, eine sehr hohe, mit Brustimme erzeugte Tenorlage, dem Klang eine besonders reizvolle Farbe verleiht. Vom ersten bis zum letzten Takt eine Offenbarung an stil- und geschmackvollem Wohllaut.

Palestrinas „Missa Papae Marcelli“

Die berühmte „Missa Papae Marcelli“ des päpstlichen Renaissance-Meisters Giovanni Pierluigi da Palestrina aus dem Jahre 1562 bildete dabei das Skelett des Abends, deren Teile durch protestantische Gesänge früher Komponisten aus Zeiten vor Schütz und Bach ergänzt wurden.

Dass sich manches, etwa die Motetten von Thomas Stoltzer oder Ludwig Senfl, kaum vom „katholischen“ Stil der Zeit unterscheidet, verwundert nicht, hat die Differenzierung zwischen katholischen und protestantischen Essenzen in der Musik doch mehr als 100 Jahre in Anspruch genommen. So bestimmten denn die Ideale Palestrinas mit ihrem feierlichen Duktus, ihren gemessenen Tempi und ihrer klanglichen Vollkommenheit die meisten Werke des Programms.

Wenn Hans Leo Hassler in der Motette „Verbum caro factum est“ zusätzlich Effekte der venezianischen Mehrchörigkeit und opernhafte Züge einbringt, umso besser. Dass der Abend nicht einen Takt lang monoton wirkte, lag an der kultivierten und intelligenten Gestaltung durch das vorzügliche Gesangsensemble.

Auch wenn die Meister der Zeit auf scharfe dynamische oder sonstige Kontraste oder gar Brüche verzichteten, wurden die feinen Unterschiede hellhörig ausgearbeitet. Das zeigte sich nicht zuletzt an der ausgefeilten Interpretation von Palestrinas Credo. Begeisterter Beifall für eine stimmungsvolle Stunde auf höchstem Niveau in der akustisch exzellenten Annakirche.

Am Sonntag, 6. November, 17 Uhr, wird dann in der Aachener Kirche St. Michael Bach zum Zuge kommen, wenn dessen vier lutherische Messen vom Kammerchor des Aachener Bachvereins vorgetragen werden. Kaum bekannte Werke des Thomaskantors, die aber, so Hage, „zum Besten gehören, was Bach hinterlassen hat“.