1. Kultur

Aachen: Reinhold Beckmann: Konzert vor 200 Zuhörern im Aachener Franz

Aachen : Reinhold Beckmann: Konzert vor 200 Zuhörern im Aachener Franz

Ein TV-Star mit Millionenpublikum wagt sich auf die Live-Bühne und singt vor knapp 200 Zuhörern: Reinhold Beckmann, bekannt als Sport-Journalist und ehemaliger Gastgeber einer eigenen Talkshow, der mit seiner vierköpfigen Band gerade auf großer Tour durch die kleinen Clubs und Kulturstätten der Republik ist, gastierte im Aachener Franz. Um es vorweg zu sagen: Blamiert hat er sich nicht.

Vollends überzeugt hat er allerdings auch nur die, die ihn schon vorher mochten. An der tollen Band mit Andreas Dopp (Gitarre), Helge Zumdieck (Schlagzeug), Thomas Biller (Kontrabass) und Jan-Peter Klöpfel (Keyboard, Akkordeon, Melodica, Trompete und Flügelhorn), die mitunter für ordentlich Dampf sorgte, lag es sicher nicht, dass der Funke vom Hamburger nicht so richtig und erst gegen Ende ein bisschen mehr aufs Aachener Publikum überspringen wollte. Vielleicht lag es an den Texten, die Beckmann alle selbst (mit-)geschrieben hat: Mal heiter-ironisch anmutend, mal politisch-kritisch, mal melancholisch-autobiografisch sind die Inhalte angelegt, doch zu oft wirken die Kumpelhaftigkeit oder die Empathie aufgesetzt.

„In den Ausschnitt geglotzt“

Mehrfach langte er tief in die Mottenkiste pomadig-spätpubertärer Alt-Männer-Fantasien, etwa wenn er schwärmerisch an den ausladenden Ausschnitt einer Metzgerstochter zurückdenkt, die er „tief gebeugt im Aufschnitt wühlen“ sieht („Charlotte“).

Will man wirklich wissen, dass er Merle, die er besingt, weil sie seinen „Käfer vollgekotzt“ und die Polizei „in deinen Ausschnitt reingeglotzt“ hat, neulich auf dem heimischen Schützenfest nach zwei Bier wieder angesprochen und nach einem Brandmal am Po gefragt hat („Bremen“)?

Beckmann, schwarzes Hemd, schwarzes Sakko, Gitarre, steht so unaufgeregt auf der Bühne, dass man sich manchmal fragt, ob er da oben eigentlich Spaß hat. Immerhin hat er nach der halbstündigen Pause sein Sakko ausgezogen. Ein Teil des Publikums indes ist gleich im Thekenbereich der Spielstätte geblieben und führt angeregt so lautstarke Gespräche, dass der Sänger deutlich die — sehr angenehme, leicht ölige, immer treffsichere — Stimme heben muss.

„Musikalisch vielseitig“ wird der Auftritt angekündigt — „aus jedem Dorf ’nen Hund“ träfe es auch. Kaum ein Genre, das Beckmann auslässt: Bossa Nova, Jazz, Jazzschlager, Rumba, Chanson, Polka, 60er-Jahre-Italo-Schnulze, Swing, ein paar Anklänge Country — so richtig entscheiden wollte sich der Hamburger nicht.

Die Moderationen zu Beginn und zwischendurch verraten Beckmanns eigentliche Stärken: das joviale Plaudern, die netten Anekdoten, die humorvoll-selbstironischen Andeutungen, kurz: die leichte Unterhaltung.