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Aachen: Reale Story der brutal gebrochenen Kindheit

Aachen : Reale Story der brutal gebrochenen Kindheit

„Die Europäische Kommission und UNHCR Gehen davon aus, dass jährlich weltweit etwa 700.000 Frauen und Kinder verschleppt werden.

Davon gelangen ca. 120.000 Frauen und Kinder in die Staaten der Europäischen Union”, heißt es bei Unicef.

„Menschenhandel darf nicht ausschließlich aus Sicht der nationalen Sicherheit betrachtet werden; Menschhandel ist zuerst und vor allem ein Verstoß gegen die Menschenrechte.”

In diesem Themenbereich bewegt sich der Kinofilm „Lila4ever”, der morgen anläuft. Nach den vor allem herzlich-komischen und bei allen kleinen Dramen hoffnungsvollen Publikumserfolgen „Raus aus Amal” und „Zusammen!” zeigt der schwedische Regisseur Lukas Moodysson seine Meisterschaft in der schrecklichen Geschichte einer brutal gebrochenen Kindheit: „Lilja 4-ever”.

Die Mutter reist einfach mit einem zwielichtigen Freund in die USA und lässt die 16-jährige Tochter in einem verlassenen Wohnblock irgendwo im Norden Russlands zurück: „Wir holen dich später nach ...”

Lilja glaubt diesen Ausflüchten. Sie hofft, während ihr Leben immer unerträglicher wird. Das Mädchen haust irgendwann in einem verlassenen Wohnblock, wird von Nachbarn und Mitschülern ebenso brutal ausgestoßen.

Wobei jede Vorstellung eines „normalen” Lebens an diesen rauen Verhältnissen zerschellt. Doch das ist erst der Auftakt eines gnadenlos realistischen Films, der die Kamera nicht von einem tiefen Riss am Rande unserer Wohlstandsgesellschaft nimmt, von Menschenhandel und sexueller Zwangsausbeutung.

Auch Lilja lässt sich von einem vermeintlichen Liebhaber naiv als Prostituierte nach Malmö schmuggeln.

Dort eingesperrt wird sie vergewaltigt, bis sie ihren schwedischen Freiern jeden Wunsch erfüllt. Lilja kann dieser Hölle nur durch Träumereien entfliehen. Der Film gewährt ihr Momente der Poesie, schenkt den gebrochenen Kindern Flügel.

Allein das Zuschauen bei „Lilja 4-Ever” ist unerträglich. Die Vorstellung, dass dieses moderne Sklaventum tausendfach auch bei uns stattfindet, macht furchtbar wütend. Ein Film, der kein Vergnügen, aber unendlich wichtig ist. (Aachen, Atlantis im Eden 4)

„Lilja 4-ever”, Schweden/Dänemark 2002 (Lilja 4-ever), Regie: Lukas Moodysson Oksana Akinschina, Artiom Bugucharskij 109 Min.