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Ralf Baschlau ist Aufseher im Essener Museum Folkwang

Mit Kunst nie viel am Hut : Vom Stadtgärtner zum Aufseher im Museum

Ralf Baschlau hatte mit Kunst nie viel am Hut, er sagt: „Ich dachte immer, das ist nicht meine Welt.“ Und jetzt ist er doch verliebt: in Manet, Macke, van Gogh und die anderen, deren Werke ihm seit zwölf Jahren täglich begegnen.

Seitdem arbeitet er als Aufsicht im Museum Folkwang in Essen. Ein Haus, an dem er, wie er sagt, früher 1000 Mal vorbeigefahren ist, ohne es wahrzunehmen.

Ralf Baschlau ist gelernter Florist, seit 1983 ist der heute 55-Jährige bei der Stadt Essen angestellt. Erst in der Stadtgärtnerei, dann im Sozialamt. 2006, als seine Abteilung verkleinert wurde, kam der Wechsel ins Museum Folkwang als Vorarbeiter bei der Sicherheit. Dort ist er einer der wenigen, der direkt bei der Stadt angestellt ist. Die meisten in Essen, aber auch in den anderen großen Museen in NRW, arbeiten für externe Sicherheitsfirmen.

Eine spezielle Ausbildung oder Vorwissen in Sachen Kunst sind für die Arbeit als Saalaufsicht nicht gefordert, sagt Anna Littmann, Sprecherin des Museum Folkwang. Ein Grundverständnis für und das Interesse an der Kunst seien aber sicher von Vorteil. Besucher- und dienstleistungsorientiert sollten die Mitarbeiter sein. Eine gewisse Sensibilität und ein guter Umgang mit den Besuchern seien wichtig.

Baschlau wirkt ruhig und unaufdringlich. Er spricht bedacht, mit gedämpfter Stimme. Fast so, als hätte er die Ruhe, die täglich in der Ausstellung um ihn herum herrscht, längst verinnerlicht. Und trotzdem sind seine Augen überall. Auch bei seiner kurzen Pause im Foyer fällt ihm einiges auf. Dass der Besucher, der gerade auf den ersten Raum zugeht, einen viel zu großen Rucksack dabei hat. Oder dass die beiden Mädchen, die gerade hereingekommen sind, bestimmt noch nie in einem Museum waren.

2017 wurden in Nordrhein-Westfalen etwa 15,4 Millionen Museumsbesuche gezählt. Das geht aus der Statistik des Berliner Instituts für Museumsforschung hervor, die im November 2018 veröffentlicht wurde. Die Besucherzahl ist gegenüber 2016 leicht angestiegen.

Baschlau hat nicht nur auf die Besucher ein Auge. Nach zwölf Jahren im Museum, kennt er die Stücke gut, die dort ausgestellt werden. Er merkt sofort, wenn mal eines ins Depot geräumt wurde – so wie sein Lieblingsbild, der „Hutladen“ von August Macke.

Ein paar Schritte zurück

Wenn ein Raum umgestaltet wird, freut Baschlau sich, bald neue Bilder oder Skulpturen zu sehen. Sein Respekt vor den Werken ist mit der Zeit immer größer geworden. Wenn die Besucher der Kunst zu nah kommen, „da bleibt mir das Herz stehen“, sagt Baschlau. Dann greift er ein. Es sei wichtig, die Werke zu schützen. „Wir können einen Herrn Lehmbruck ja nicht anrufen und sagen: Mach uns doch mal eine neue Plastik“, sagt er. Womit er zweifellos recht hat: Bildhauer Wilhelm Lehmbruck starb vor 100 Jahren. Ansonsten halte er sich aber zurück. Beobachten oder belauschen will er die Besucher nicht.

Nur wenn eine Führung durchs Museum kommt, schalte er auf Empfang, wie er sagt. Ihn interessieren die Geschichten hinter den Bildern. So weiß er, dass Eduard Manets Bild des Sängers Jean-Baptiste Faure die gemeinsame Freundschaft belastet hat, weil der sich da­rauf nicht gefiel. Oder dass man bei Claude Monets „Kathedrale von Rouen im Morgennebel“ besser ein paar Schritte zurücktritt, um das Motiv richtig zu erkennen.

Inzwischen muss er auch nicht mehr auf die Schilder gucken. Er erkennt die Werke vieler Künstler schon an deren Stil.