1. Kultur

Aachen: Puzzle um Liebe und Vertrauen: „Der Beweis” im Das Da Theater

Aachen : Puzzle um Liebe und Vertrauen: „Der Beweis” im Das Da Theater

Kein kühler Arbeitsraum, eher eine lässige Bohème-Atmosphäre umfängt die Zuschauer, die mit Spannung den Zusammenbruch einer intelligenten Frau auf der Bühne verfolgen. Zwischen Schreibtafel, der altmodischen Globus-Bar und einer Empore vollzieht sich in zehn knappen Szenen und Rückblenden ein unheilvolles Spiel zwischen vier Menschen.

Im Mittelpunkt des Stücks „Der Beweis” von David Auburn im Aachener Das Da Theater: Vater und Tochter, die beide ruhelos herumgeistern.

Bei dem toten Mathematikgenie Robert ist das Herumgeistern zweifellos eher begreiflich als bei seiner Tochter Catherine, die ihr Leben nach dem Tod des Vaters in den Griff zu bekommen sucht. Der brillante Professor, der bereits mit 23 Jahren aufsehenerregende Arbeiten vorlegte, litt in seinen letzten Jahren zunehmend an Demenz und Wahnvorstellungen. Gepflegt und betreut wurde er von Tochter Catherine, die ihr Studium aufgab, um dem kranken Vater beizustehen.

An ihrem 27. Geburtstag wird die depressive junge Frau vom toten Vater beglückwünscht - eine starke Szene mit Jens Eisenbeiser und Karen Lauenstein, die ihre Rolle überzeugender spielt als Gwyneth Paltrow, die in der Verfilmung (mit Anthony Hopkins als Vater) die labile Catherine verkörperte. Trotz Starbesetzung wurde das Kinostück kein großer Erfolg.

Tom Hirtz´ einfallsreicher Inszenierung gelingt es immer wieder, dem komplex verschachtelten Drama Lebendigkeit einzuhauchen, doch insgesamt bleibt „Der Beweis” etwas schwer verdaulich. Schön stimmig und gleichzeitig beunruhigend: Bühne und Kostüme von Frank Rommerskirchen.

Das verwirrende Puzzle aus Momentaufnahmen und Rückblenden hat natürlich weit weniger mit mathematischen Fragen zu tun als mit menschlichen Konflikten und Problemen. Es geht um die klaffende Differenz zwischen wissenschaftlichen Gleichungen und wirklichem Leben, es geht auch um bezeugte Liebe und Vertrauen. Hat der geniale Vater, der ja nur als Projektion aus Catherines Erinnerung auftritt, das Leben seiner Tochter ruiniert? Denn sie hat alles für ihn aufgegeben, ihre Ausbildung und jedwedes soziales Leben.

Das Schauspieler-Quartett macht seine Sache gut: Nicht nur Eisenbeiser und Lauenstein imponieren, auch Patricia Rabs als Catherines Halbschwester Claire und Adrian Moll als Doktorand Hal zeigen vielschichtige Facetten. Die gefährdete Catherine scheint fast wie ihr Vater zwischen Genie und Wahnsinn zu schweben, der allgegenwärtige „Dad” wird zu einem lastenden Über-Ich und Vorbild, das sie kaum erreichen kann.

Die lebenstüchtige Schwester Claire im schicken Business-Dress will alles ordnen und regeln - auch ihr Apfelkuchen wirkt wie ein Rezept gegen Verzweiflung und Lebens-überdruss. Großartig die Szene mit dem Kleidersortiment, das die aus New York angereiste Claire für die „trübsinnige” Schwester bereithält. Für die „Beerdigungs-party”...

Das Premierenpublikum spendete herzlichen Beifall.