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Köln: Putzig inszeniert, aber mit Längen: Cimarosas „Il Matrimonio Segreto“ in Köln

Köln : Putzig inszeniert, aber mit Längen: Cimarosas „Il Matrimonio Segreto“ in Köln

Nach dem Kraftakt mit Bernd Alois Zimmermanns „Die Soldaten“ lässt die Kölner Oper die Saison recht entspannt mit Domenico Cimarosas Oper „Il Matrimonio Segreto“ (Die heimliche Ehe) aus dem Jahre 1792 ausklingen.

Eine szenisch putzige, musikalisch straffe, vokal im Wesentlichen werkgerechte Produktion, die vor zwei Jahren bereits bei den „Festwochen der Alten Musik“ in Innsbruck auf große Zustimmung gestoßen ist.

Von den 100 Opern Cimarosas begegnet man nur noch der „Heimlichen Ehe“ gelegentlich, obwohl das Werk zu den erfolgreichsten Opern seiner Zeit gehörte. Allerdings zieht sich die verwickelte Handlung um zwei Schwestern, die sich nicht bedingungslos den Heiratswünschen ihres Vaters unterwerfen wollen und damit mehr oder weniger komische Turbulenzen auslösen, über die Länge von mehr als drei Stunden recht zäh dahin, auch wenn musikalisch und thematisch vieles an Mozart und Rossini erinnert.

Allerdings mit einem großen Unterschied: Cimarosa gebärdet sich in seiner konventionell, gleichwohl gut komponierten Oper sehr brav und zurückhaltend, ohne auch nur annähernd die psychologische Tiefenwirkung Mozarts erreichen oder mit den originellen Überspitzungen und Effekten Rossinis jonglieren zu können, womit der Allerweltshandlung auch moderne Zuschauer noch Interesse abgewinnen könnten. So bleibt es bei einer netten Farce, zu der der Einfall des Teams um Regisseur Renaud Doucet und Ausstatter André Barbe gehört, die Gesellschaft um den reichen Kaufmann Geronimo und dessen Töchter auf einen pittoresken Hühnerhof zu verbannen und mit entsprechend fantasievollen und üppig ausladenden, gefiederten Kostümen zu chiffrieren. Dabei geht der Regisseur erfreulich dezent vor, ohne die Damen allzu aufdringlich gackern zu lassen.

Die liebevoll gestaltete Szenerie kann freilich nicht über die Längen des Stücks hinwegtäuschen. Und das, obwohl der kundige Dirigent Gianluca Capuano das Gürzenich-Orchester zu einem federnd vitalen Spiel anhält, dem sich das verlässliche Ensemble im Wesentlichen anschließt. Die Baritone Donato di Stefano als Geronimo und Renato Girolami als adeliger Freier, beide der Innsbrucker Besetzung entstammend, überzeugen eher durch Stilsicherheit und buffoneske Lockerheit als durch die Brillanz ihrer Stimmen, können aber wesentlich stärker punkten als der fehlbesetzte Tenor Norman Reinhardt als heimlicher Gatte Paolino.

Die Krone gebührt den Damen, vor allem Sopranistin Anna Palimina als Tochter Carolina und als deren Schwester Elisetta der Sopranistin Emily Hindrichs, die vor kurzem noch in Zimmermanns „Soldaten“ die weibliche Hauptrolle stemmen musste. Beide bewältigen ihre anspruchsvollen Rollen ohne Fehl und Tadel.

Insgesamt eine nett anzusehende und anzuhörende Abendunterhaltung, in deren Verlauf die Distanz zu den Geniestreichen Mozarts und Rossinis freilich immer deutlicher ins Bewusstsein rückt. Begeisterter Beifall des Premierenpublikums.