1. Kultur

Köln: Prozess um verschwundene Filipina: Mord ohne Leiche?

Köln : Prozess um verschwundene Filipina: Mord ohne Leiche?

Ein Telefonat mit einer Freundin ist das letzte gesicherte Lebenszeichen der Kölnerin Lotis K. Seit dem 18. April vergangenen Jahres fehlt von der damals 33-jährigen Filipina jede Spur.

Ab Montag (1. September, 9.15 Uhr) stehen der 45 Jahre alte getrennt lebende Ehemann der Vermissten sowie dessen Zwillingsschwester und deren Mann vor der Fünften Großen Strafkammer des Kölner Landgerichts.

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass das Trio Lotis K. getötet hat. Hintergrund könnte ein Sorgerechtsstreit um den inzwischen sechs Jahre alten Sohn der Frau sein. Auch über ein Jahr nach dem Verschwinden von Lotis K. ist bisher keine Leiche gefunden worden.

Der Autobauer Siegfried K. hatte Lotis Ende 1999 während eines Urlaubs auf den Philippinen kennengelernt. Das Paar heiratete ein Jahr später und zog in ein Kölner Mehrfamilienhaus, in dem bereits Ks. Schwester mit ihrem Mann lebte. Beide sollen eine intensive Beziehung zum Sohn von Lotis und Siegfried K. aufgebaut haben, der 2002 geboren wurde. Ende 2005 steht die Ehe des deutsch-philippinischen Paares vor dem Aus und die Frau zieht mit ihrem Sohn in eine eigene Wohnung.

Bei ihren Ermittlungen in dem Vermisstenfall stößt die Polizei schnell auf den erbitterten Sorgerechtsstreit zwischen Lotis K. und der Familie ihres Mannes. So gibt es Gerüchte, dass der Mutter ein sechsstelliger Geldbetrag geboten wurde, damit sie auf ihre Ansprüche auf das Kind verzichtet und für immer in ihre Heimat zurückkehrt. Die Staatsanwaltschaft verweist zudem auf das letzte bekannte Lebenszeichen der Vermissten, das Telefonat mit der Freundin: „Ich muss Schluss machen, mein Mann kommt”, soll die junge Frau gesagt haben.

„Es gibt keinen objektiven Beweis dafür, dass Lotis K. tot ist”, widerspricht der Rechtsanwalt des inhaftierten Ehemanns. Zwar sei es richtig, dass Lotis K. seit spätestens Anfang Mai 2007 nicht mehr gesehen wurde. Dafür könne es auch andere Gründe als einen Mord geben: „Vielleicht hat sie sich von einer Brücke in den Rhein gestürzt oder ist versehentlich in den Fluss gefallen." Dann fände man ihre Leiche nie. Auch sei nicht ausgeschlossen, dass Lotis K. in ihre Heimat zurückgekehrt sei, wo man recht mühelos untertauchen könne.

Freunde und Bekannte der Frau schließen diese Variante aus. Nie, so heißt es, hätte die Frau ihren Sohn freiwillig zurückgelassen. Doch auch die Hinweise auf ein Verbrechen sind dürftig. Polizeitaucher hatten im Niehler Hafen, unweit der Stelle, wo das Handy der Vermissten zuletzt geortet wurde, vergeblich nach der Leiche gesucht. Auch wurden mehrere Zisternen überprüft, jeweils ohne Erfolg.

Dafür soll ein Leichenspürhund im Wohnmobil des Schwagers der Vermissten angeschlagen haben. Nach Angaben des Rechtsanwalts sei die Reaktion des Tieres allerdings nicht eindeutig gewesen. Eine anschließende kriminaltechnische Untersuchung habe dann keine Hinweise dafür ergeben, dass mit dem Fahrzeug eine Tote transportiert wurde.

Unklar ist auch die Bedeutung eines Anrufs, der am frühen Morgen des 19. April 2007 vom Handy des Ehemanns zu dem der Verschwundenen erfolgt ist. Beide Mobiltelefone waren auf einen Sendemast in unmittelbarer Nähe der Wohnung von Lotis K. eingeloggt. Die Staatsanwaltschaft wertet das als Beleg dafür, dass der beschuldigte Ehemann sich zum mutmaßlichen Tatzeitpunkt in der Nähe seiner Frau aufgehalten hat. Das Gericht hat zunächst 20 Verhandlungstage angesetzt.