1. Kultur

Aachen/Düren: Prozess: Koks-Zentrale im Italo-Verein

Aachen/Düren : Prozess: Koks-Zentrale im Italo-Verein

Im Gerichtssaal sah es aus, als ob gerade der Fernexpress aus Palermo an der Bahnsteigkante angehalten hätte. Der „große Bahnhof” galt fünf Italienern und zwei deutschen Frauen im Alter zwischen 31 und 51 Jahren aus Düren, die sich laut Anklage vor dem Aachener Landgericht mit dem bienenfleißigem Verkauf von Kokain-Tütchen ein deftiges Zubrot verdient haben sollen.

Der Betreiber eines italienischen Vereinsheimes in Düren, sein Sohn, ein Verwandter, dazu ein Pizzabäcker, ein weiterer Italiener und die zwei Dürenerinnen bilden den pittoresken Hintergrund einer Geschichte, die für eine lehrreiche Nebenhandlung zu Aktivitäten des Don Corleone hätte „Pate” stehen können. Der Don lehnte nämlich, wie Kinogänger wissen, genau solche Geschäfte ab, die hier vor der 8. Großen Strafkammer (Vorsitz Richter Harald Brandt) in Rede stehen.

Zwischen Mitte März und Anfang August 2005, hieß es laut Staatsanwaltschaft, soll das italienische Vereinsheim der Mittelpunkt des schwunghaften Drogenhandels gewesen sein. Der Betreiber beschaffte danach das Kokain wie im Grenzland üblich direkt auf niederländischem Territorium in Kerkrade. Als er aufflog und verhaftet wurde, nahm sein Sohn die Dinge in dem Italo-Zentrum in die Hand. Er soll eine Verbindung zu zwei Dealern in Frechen aufgetan haben. In den Räumen des Zentrums wurde der Stoff abgewogen und in die Tütchen gepackt und verkauft.