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Aachen: Protest in Wuppertal, Bravo-Rufe in Aachen

Aachen : Protest in Wuppertal, Bravo-Rufe in Aachen

Einen so wunderbaren Abend mit den „Präsidentinnen” von Werner Schwab haben die Schauspieler in Wuppertal noch nie erlebt.

Statt Begeisterung gab es dort zur Premiere Buh-Rufe. Ganz anders die Reaktion bei der Aufführung im Rahmen des Theatertreffens NRW im Aachener Grenzlandtheater. Die Zuschauer zeigten sich nicht nur bei der anschließenden Diskussion begeistert.

„Zu Ihnen kommen wir öfter”, schwärmte die Schauspielerin Ingeborg Wolff, als sie die Rolle der Erna nach dem Gastspiel abgestreift hatte.

Gelöst sitzen sie und ihre Kolleginnen, die junge Regie-Debütantin Silke Kosbü und der Wuppertaler Intendant Gerd Leo Kuck bei der Diskussion am Bühnenrand.

In Wuppertal löste das „Fäkaliendrama” einen Eklat aus. „Aufhören, aufhören”, schallte es ihnen aus dem 700-Plätze-Theater entgegen, Zuschauer verließen den Saal. „Weiterspielen”, so An Kuohn (Grete), habe sie auf der Bühne geraunt.

Intendant Kuck kann sich die begeisterte Aufnahme in Aachen nur mit dem anderen, „engeren Lebensklima mit enormen sozialen Spannungen” in Wuppertal erklären.

„Angesichts der Finanzlage hat es eine riesige politische Debatte darüber gegeben, ob man dafür überhaupt noch Subventionen zahlen soll”, sagte Kuck. Die junge Regisseurin, gerade erst mit dem Bühnenbild-Studium fertig, hatte diesen Proteststurm nicht erwartet. „Man kann nicht kalkulieren, wie das Publikum reagiert.”

Gut 15 Jahre ist das Stück des Österreichers, der jung gestorben ist, jetzt alt. Am Mittwochabend erntete die Wuppertaler Inszenierung in Aachen viele Lacher.

Für die Aachener ist es kein Wunder, dass Schwabs frivol-derbe Kunstsprache heute nicht mehr provoziert: „Wir sind doch heute viel selbstkritikfähiger, als sich Schwab das vorstellen konnte”, merkte ein Diskussionsteilnehmer an. Den Vorwurf einer zu gemäßigten Inszenierung wollten sie nicht gelten lassen.

Unbekannt war den meisten im Publikum, dass Kosbü die letzte Szene komplett gestrichen hat. In ihr sitzen die drei „Präsidentinnen” im Publikum, sehen drei Frauen zu, die ihr Stück noch einmal spielen und empören sich.

Botschaft: die „Präsidentinnen”, das sind die Zuschauer. „Ich habe mich gefragt, ob wir das so überdeutlich zeigen müssen.” Kosbü hat die Frage mit Nein beantwortet, und das Aachener Publikum hat es verstanden.

Freitag präsentiert das Theater Dortmund im Mörgens, 20 Uhr, „Lange her” von Che Walker. Um 22 Uhr stellt Manfred Leuchter im Großen Haus seine neue CD „Nomade” vor. Karten in allen Zweigstellen unserer Zeitung, 0241/5101192.