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Aachen: Professor Ulla Graf: „Die Lehre hat mein Leben bereichert”

Aachen : Professor Ulla Graf: „Die Lehre hat mein Leben bereichert”

Zum Ende des abgelaufenen Semesters verabschiedete sich eine Persönlichkeit aus dem Dozentenkreis der Musikhochschule in Aachen, die jahrzehntelang das Musikleben mitgestaltet und zahlreiche angehende Künstler aus der ganzen Welt unterrichtet hat: die Pianistin und Klavierpädagogin Professor Ulla Graf.

Sie waren einst die jüngste Professorin der Hochschule. Heute scheiden Sie als dienstälteste aus. Wie waren Ihre Anfänge?

Graf: Als ich mit 17 Jahren in Aachen zum ersten Mal Mendelssohns g-Moll-Klavierkonzert spielte, war ich Schülerin von Wilhelm Bischof, diesem Visionär, der den Grundstein für die heutige Musikhochschule in Aachen legte und dem ich sehr viel zu verdanken habe.

Schon während meines anschließenden Studiums bei Professor Else Schmitz-Gohr in Köln verpflichtete mich Wilhelm Bischof als Lehrkraft an sein damaliges Konservatorium, und ich erhielt „lebenslänglich”.

Nach dem Konzertexamen in Klavier und der Reifeprüfung im Fach „Liedbegleitung” setzte ich meine Studien bei Bruno Leonardo Gelber in Paris fort. Das war sehr wichtig.

Sie haben damals viel im In- und Ausland konzertiert. An was erinnern Sie sich besonders gern?

Graf: Durch das intensive Studium bei Gelber konnte ich auf ein Umfangreiches Repertoire zurückgreifen und hatte die Gelegenheit, mit bedeutenden Dirigenten und Orchestern, zum Beispiel dem Prager Rundfunkorchester, der Slowakischen Philharmonie, dem Belgischen Nationalorchester Klavierkonzerte unter anderem von Beethoven, Schumann, Chopin, Grieg, Gershwin, Prokofiev und das b-Moll-Konzert von Tschaikowsky zu spielen. Bei meiner Vorliebe für Raritäten spielte ich zudem Werke von Bortkiewicz, Liadow, Dobrowen und Julian Skrjabin für die Schallplatte ein.

Sie waren und sind eine begeisterte Kammermusikerin?

Graf: Ja, der Kammermusik gilt meine besondere Liebe. Zahlreiche Konzerte und Rundfunkaufnahmen entstanden unter anderem mit mit den Geigern

Wer war damals dabei, an wen erinnern Sie sich besonders gern?

Graf: An Edward Zienkowsky, den ehemaligen 1. Konzertmeister des WDR-Sinfonieorchesters, und Stanley Weiner, mit dem ich eine Schallplatte mit Werken von Janacek, Sibelius, Ravel und Weiner einspielte. Mit dem Cellisten Klaus Heitz und dem Bratscher Hariolf Schlichtig habe ich auch gearbeitet. Und mit besondere Freude denke ich an die Liederabende mit Elisabeth Ksoll.

Ließen sich Konzert- und Lehrtätigkeit auf Dauer miteinander vereinbaren?

Graf: Anfangs ja. Mit zunehmenden Hochschulaufgaben - ich war 20 Jahre lang Prodekanin - habe ich dann meine Konzerttätigkeit reduziert, um mich den mir anvertrauten Studenten mit ganzer Kraft zu widmen.

Fällt Ihnen der Abschied von ihrer pädagogischen Arbeit, in der Sie gewiss mehrere hundert Studierende geführt und gefördert haben, schwer?

Graf: Ein wenig schon. Bei mehrjährigem Einzelunterricht entsteht natürlich eine sehr persönliche und oft auch sehr glückliche AZ-Musikkritiker Alfred Beaujean unterhielt sich mit der Künstlerin.

Beziehung zu den Studenten, die mein Leben durchaus bereichert hat. Mit großer Freude und ein wenig Stolz kann ich sagen, dass die meisten meiner Absolventen in guten Positionen sind, sei es als lehrende oder konzertierende Künstler in aller Welt. Die Scala reicht vom Klassiker bis zum WDR-Bigband-Pianisten.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft? Werden Sie wieder verstärkt künstlerisch tätig sein?

Graf: Nach über 40 Jahren Lehrtätigkeit werde ich den pädagogischen Zeigefinger in den Ruhestand schicken. Meine Familie wird das sicher freuen. Ich werde in Ruhe lesen, in Ruhe üben, und ein schönes CD-Projekt ins Auge fassen, mit Freude in die Zukunft blicken und jetzt schon sicher sein, dass mein Ruhestand nicht allzu ruhig verläuft.