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Neandertal: Privatmann lässt 50 Oldtimer vermodern

Neandertal : Privatmann lässt 50 Oldtimer vermodern

Das Tor öffnet sich langsam, wie von Geisterhand. Dahinter liegt ein Auto-Friedhof der ganz besonderen Art: Ein verschlungener Garten, Laubbäume und dazwischen Oldtimer über Oldtimer, verziert, verrostet, mit Grünspan und Spinnweben überzogen.

„Auto-Skulpturen” nennt Besitzer Michael Fröhlich sein Projekt, „Auto-Mausoleum” sagen andere dazu. 50 Fahrzeuge aus dem Baujahr 1950 hat Fröhlich auf seinem Grundstück in Neandertal bei Mettmann verteilt, ein Geschenk, das er sich vor drei Jahren zu seinem 50. Geburtstag gemacht hat.

„Etwas Dauerhaftes schaffen”, das habe er gewollt, etwas, „das keiner nachmachen kann”. Das habe ihm sein Vater eingeprägt. Nun stehen ein Buick, ein Jaguar XK120 und viele andere, umgeben von Straßenschildern oder verziert mit Schneckenhäusern, auf seinem Grundstück, der Natur überlassen. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt seiner Arbeit, er wolle „zeigen, dass Natur stärker als Technik ist” und die Betrachter zum Nachdenken anregen. Die Skulpturen seien nie fertig, die Natur verändere sie ständig, sagt einer, der nach eigenen Worten mit Mode- und Autodesign viel Geld verdient hat.

Seine eigene Handschrift ist an den Fahrzeugen deutlich zu sehen. Da ragt ein sowjetischer Moskvitch401 aus dem Boden. Zur Hälfte eingegraben, symbolisiert er für Fröhlich die ehemalige Weltmacht, die „nur noch halb so groß ist”. Oder der Rolls Royce aus dem Fuhrpark der Queen, in dem eine Puppe als Prinz Charles verkleidet neben einer aufblasbaren Dame und vielen Tampons sitzt.„Ganz schön schwierig” sei es gewesen, die große Stückzahl zusammenzukriegen.

Deshalb habe er sich nicht auf Autos beschränkt, sondern nach allen Arten von Fahrzeugen gesucht. So dümpelt in einem Pool ein Boot und mitten im Garten hängt ein Mobile aus Fahrrädern. Nicht jedem Besitzer sei es egal gewesen, was mit den Autos geschah. Den Buick habe er von einem Studenten gekauft, der ihn zuvor „perfekt restauriert” hatte. Jahre später habe der junge Mann im Fernsehen gesehen, was mit seinem Auto passierte. Aufgebracht habe er Fröhlich angerufen, „der hat mich richtig zur Schnecke gemacht”.

Die größten Schwierigkeiten habe er beim Kauf des Citroen11 CV gehabt, der als Paradebeispiel für ein Gangsterauto der 50er Jahre gelte. Als er endlich ein passendes Exemplar gefunden hatte, hatte es schon ein anderer gekauft. „Ja, denkt ihr vielleicht, der hätt´ mir den verkauft”, ereifert der Künstler sich noch heute. Auch als er den doppelten Preis geboten habe, habe der andere abgelehnt.
Des Rätsels Lösung: Misstrauisch durch Fröhlichs starkes Interesse geworden, hatte er den Wagen auseinander genommen und nach versteckten Reichtümern durchsucht. Erst als er sicher gewesen sei, dass er nichts finden würde, habe er ihn Fröhlich gegeben.

Der Auto-Sammler und -designer will provozieren, ständig, nicht nur mit den ehemals wertvollen Oldtimern. Neuerdings nimmt der ehemalige Modedesigner zehn Euro Eintritt von denen, die sonntags durch seinen Garten spazieren möchten. Der Erlös ist klar für den Eigenbedarf bestimmt. „Los Felix, immer schön kassieren, ich will doch Deiner Mutter neue Dessous zu Weihnachten kaufen”, ruft er seinem Sohn zu.