1. Kultur

Premiere im Theater Aachen: "demut vor deinen taten baby"

„demut vor deinen taten baby“ im Theater Aachen : Lebensfreude? Freiheit? Schädlich fürs Kapital!

Ganz schön schrill, diese Komödie mit bitterem Nachgeschmack und Tendenz zur Tragödie: In „demut vor deinen taten baby“ hat Autorin Laura Naumann, Jahrgang 1989, ihre tiefe Skepsis gegenüber einer besseren Welt – genauer: gegenüber sogenannten Weltverbesserern – hineingepackt. Das Stück hatte jetzt im Mörgens des Aachener Theaters in der Regie und Ausstattung von Lisa Heinz Premiere.

Drei Frauen, drei Schicksale, dreifache Frustration. Lore (Bettina Scheuritzel), Mia (Petya Alabozova) und Bettie (Elke Borkenstein) sind ein explosives Trio. Bei einem Bombenalarm auf dem Flughafen hocken sie auf der Toilette und müssen angstvoll warten, bis der Spuk um den herrenlosen Koffer vorbei ist. Sie werden Freundinnen und teilen das atemberaubend gute Gefühl, dass ihnen nichts passiert ist. Ein neues Leben. Wäre das nicht eine Medizin gegen die Tristesse der Gesellschaft?

Sie ziehen ein Schein-Terror-Gewerbe auf. Das klappt zunächst, geht dann aber schrecklich schief. Drei Frauen, drei Perspektiven. Jede von ihnen schleppt Verletzungen und Enttäuschungen mit sich herum. Davon erzählen, seufzen, schreien sie.

In frechen Outfits von Maria Harneit und einer variablen Ausstattung, die aus drei beweglichen, bunt beklecksten Regalen besteht, bewegen sich die drei sicher und mit improvisatorischem Talent durch den Raum, nachdem sie die Objekte von der  gelb-schwarzen Plane befreit haben. Die Farben wecken ein Alarmgefühl, erinnern an Atom-Warnschilder. Witz blitzt auf, es wird gelacht, obwohl das alles nicht so komisch ist.

Regisseurin Heinz geht geschickt und temporeich auf die skurrilen Überzeichnungen im Stück ein, lässt Bettina Scheuritzel ekstatisch tanzen, Petya Alabozova die finstere Cowboy-Braut mit weinendem Pferd spielen und Elke Borkenstein als Naivchen herumquengeln. Aber die unkonventionellen Ideen werden schnell „eingefangen“ und von denen ausgenutzt, gegen die sie sich eigentlich richten sollten. Freiheit? Lebensfreude? Bloß nicht, ganz schädlich für das Kapital. Die drei lassen sich kaufen. Alles verkehrt sich ins Gegenteil. Ein trauriges Fazit, ein spannendes Gedankenexperiment, locker und verrückt mit drei tollen Schauspielerinnen für die Bühne umgesetzt.

Nach einer Stunde ruft Mia: „Da war ich tot!“ und grüne Farbe tropft auf die gelbe Plane. Viel Applaus.