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Düsseldorf: Preisträger gesucht: NRW laufen Autoren weg

Düsseldorf : Preisträger gesucht: NRW laufen Autoren weg

NRW laufen die Literaten davon. Die poetische Landflucht nimmt inzwischen derartige Formen an, dass die Jury des NRW-Literaturpreises sich entschieden hat, mangels Angebot erstmals die Auszeichnung in der Sparte Zeitgenössisches Drama auszusetzen.

Die je fünf Nominierten in den Sparten Prosa und Lyrik werden sich während des nordrheinwestfälisch-niederländischen Autorentreffens vom 4. bis 7. September in Köln, Bonn und Düsseldorf dem Publikum vorstellen.

„Es gibt einfach keine gezielte Förderung für Autoren in NRW”, klagt Karin Hempel-Soos vom Haus der Sprache und Literatur in Bonn und selbst Autorin. In den Niederlanden, die mit dem Land NRW ein Kulturabkommen geschlossen haben, sehe das anders aus.

Wenn ein Autor begabt sei, werde die Erstauflage bezahlt, die Übersetzung des Werkes und seine Lesereisen, damit Buchhandlungen keine Kosten entstünden.

Unzählige Preise für Debütromane machten die Literaten unabhängig von dem Druck, der oftmals von deutschen Verlagen nach einem erfolgreichen Erstling ausgeübt werde.

Zu den kulturpolitischen Problemen kämen die Sogwirkung, die Metropolen wie Berlin, Hamburg oder München auf junge Künstler ausübten. Die Schriftstellerin und Regisseurin Kaca Celan, die heute in Düren lebe, sei eine der Wenigen, die NRW die Treue hielten, so Hempel-Soos.

Die mehrfach ausgezeichnete Lyrikerin wird bei der Lesung am 6. September dabei sein. „Michael Lentz, der in Düren geboren wurde, lebt seit Jahren in München - und kommt damit für den Preis nicht in Frage, weil die aus NRW nominierten im Land leben und arbeiten müssen”, klagt Hempel-Soos. Lentz wird bei der Preisverleihung am 7. September in Düsseldorf erwartet.

Eine Drama war offenbar die Suche nach NRW-Kandidaten in der Sparte Drama: „Wir haben 35 Theaterverlage angeschrieben, mit Intendaten und Dramaturgen gesprochen, aber es ist keiner auf dem Markt, der die Kriterien erfüllt.” Unabhängige Jurys haben die Kandidaten bestimmt, die nun um die je 5000 Euro Preisgeld wetteifern.

In der Sparte Prosa sind das Katrin Askan, Akif Pirincci (beide NRW), Jessica Durlacher, Arnon Grünberg (beide Niederlande) und Erwin Mortier (Belgien), in der Sparte Lyrik Norbert Hummelt, Stan Lafleur (beide NRW), Ilja-Leonhard Pfeijffer, René Puthaar (beide Niederlande) und wieder Mortier (Belgien).

Finanziert wird das Autorentreffen, das rund 125 000 Euro kostet, zu mehr als zwei Dritteln vom Land NRW. Die drei Veranstalter - Haus der Sprache und Literatur in Bonn, Heinrich-Heine-Institut in Düsseldorf und Kulturamt Köln - sowie die Niederlande tragen den Rest bei.

Fraglich ist, ob der Literaturpreis in zwei Jahren erneut verliehen werden kann: Das Land habe ihnen zu verstehen gegeben, dass es angesichts knapper Kassen die Mittel möglicherweise streichen werde.

Lesungen der Nominierten für den NRW-Literaturpreis 2002

Prosa: 4. September, 16.30 Uhr, Literaturhaus Köln, Im Mediapark 6, Karten: 0221/2801 (4 Euro).

Lyrik: 6. September, Staatskanzlei Düsseldorf, Stadttor 1.

Literaturfest mit John von Düffel und Elke Heidenreich: 4. September, 20 Uhr, Alter Wartesaal, Köln, Karten: 0221/2801 (15 Euro).

Lesung und Diskussion zum zeitgenössischen Drama mit John von Düffel: 5. September, 20 Uhr, Foyer der Oper Bonn, Am Boeselagerhof. (3 Euro)

Preisverleihung und Lesung der Preisträger: 7. September, 19 Uhr, K 21, Ständehaus Düsseldorf, Karten: 0211/ 7973251 (12 Euro).