1. Kultur

Köln: Pralles Leben in farbenfrohen Bildern

Köln : Pralles Leben in farbenfrohen Bildern

Der Markt ist hart umkämpft. Er hat seine eigenen Gesetze.

Immer orientiert an dem, was den meisten Absatz verspricht, schaffen Ateliers und Werkstätten in Arbeitsteilung Bilder für die Privatkabinette vermögender Kunden. Es sind Zunft organisierte Familienbetriebe, aus denen regelrechte Maler-Dynastien erwachsen, wer keiner Gilde angehört, kann hier nichts werden.

Hier, das ist Antwerpen im 16. Jahrhundert, damals eine der wichtigsten europäischen Metropolen. Im Epizentrum der flämischen Malerei entstehen Markt-, Kirmes und Dorflandschaften, Winter-, Kriegs- und Brandszenen, die Jahreszeiten werden abgebildet, Lebensstationen Marias und Jesu verherrlicht, Parabeln und Allegorien umgesetzt.

Wer jene in leuchtenden Farben ausgeführten Szenen eines prallen volkstümlichen Lebens vor Augen hat, denkt unweigerlich an Pieter Bruegel den Älteren (um 1525 bis 1569), vielleicht noch an seinen Sohn Pieter Bruegel den Jüngeren (1564 bis 1658), auch „Höllenbruegel” genannt, der in der Art des Vaters spukhafte Szenen, Höllendarstellungen und Winterlandschaften malte.

Er denkt an legendäre Werke wie „Die Heuernte” (1565), „Das Schlaraffenland” (1567) oder „Bauernhochzeit” (um 1568). An Gillis Mostaert denkt niemand. Diesen Missstand möchte jetzt das Wallraf-Richartz-Museum in Köln aus der Welt schaffen.

Wie schon der Titel der Ausstellung „Gillis Mostaert. Ein Antwerpener Maler zur Zeit der Bruegel-Dynastie” zeigt, arbeiten die Museumsmacher geschickt mit dem, was als bekannt voraus gesetzt werden kann. Der überväterliche „Bauernbruegel” als Mostaerts Zeitgenosse und Marktkonkurrent bildet die Brücke zu Mostaert und weiteren Antwerpenern wie Lucas von Valckenborch, Hans van Wechelen oder Marten Ryckaert.

Rund 60 Gemälde und Graphiken aus privatem Bildbestand sowie Leihgaben, vor allem aus Antwerpen, ermöglichen es den Besuchern, Typisches zu entdecken, aber auch Besonderheiten im Stil festzustellen. Große Tafeln informieren über das Leben im Antwerpen des 16. Jahrhunderts, über Themen der Malerei in der südlichen Niederlande und über Mostaerts Leben. In drei Räumen - Graphiken, Mostaert, Zeitgenossen - lässt es sich wunderbar auf Entdeckungsreise mit den Augen gehen.

Im Mittelpunkt der prächtigen Schau steht der 1528 geborene und 1598 gestorbene Mostaert, der Pieter Bruegel d. Ä. nicht nur überlebte, sondern zeitweilig ökonomisch toppte. Auf dem Privatmarkt verkaufte er besser und wurde besser bezahlt, weit über 250 Nummern umfasst sein Gesamtverzeichnis heute.

Seine sehr realistisch gemalten Landschaften sind ebenso kunst- wie erfindungsreich. Seine Figuren erzählen Geschichten in der Geschichte, immer neue Details lassen sich entdecken, bei der „Kreuztragung Christi” (um 1575/89) ebenso wie bei der „Kirmes (Hochzeitsfest)” (nach 1575) oder auf dem „Markt” (1579). Mal düster, mal heiter spiegelt die Komposition von Landschaft und Himmel die jeweilige Stimmung auf ideale Weise wider.

Nicht minder herrlich: Marten van Cleves „Bauernhochzeit” (um 1570), Abel Grimmers „Die vier Jahreszeiten” (1607) oder Lucas van Valckenborchs „Frühlingslandschaft mit Erzherzog Matthias und eleganter Gesellschaft” (1597). Lehrreich und unbedingt sehenswert.

Öffnungszeiten, Eintritt und Katalog

„Gillis Mostaert. Ein Antwerpener Maler zur Zeit der Bruegel-Dynastie”, Wallraf-Richartz-Museum-Fondation Corboud, Martinstr. 39 (Eingang Obermarspforten), Tel.0221 221 27 694

Bis 12. April 2005, geöffnet: Di. 10 bis 20 Uhr, Mi. bis Fr. 10 bis 18 Uhr, Sa. und So. sowie an Feiertagen 11 bis 18 Uhr. Das Museum ist Mo. sowie von Do., 3. Bis Di. 8. Februar (Karneval) geschlossen.

Eintritt: 7 Euro, erm. 4, 50 Euro. Katalog: 152 Seiten, 22, 50 Euro.