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Köln: Präsident Europäischer Narren: Kulturgut Karneval ist nicht Comedy

Köln : Präsident Europäischer Narren: Kulturgut Karneval ist nicht Comedy

Karneval hat nach Ansicht des Präsidenten der Närrischen Europäischen Gemeinschaft, Volker Wagner, nichts mit Comedy oder Party zu tun.

„Der Karneval ist ein historisch gewachsenes Kulturgut, bei dem es wesentlicher tiefer geht als bei einer oberflächlichen Fröhlichkeit.”

Das betonte Wagner, der zugleich Präsident des Bundes Deutscher Karneval (BDK) ist, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Köln. „Es gibt auch einzelne flankierende Erscheinungsformen, die ich nur für schlecht halten kann - wenn einzelne vielleicht meinen, der Karneval wäre zum Saufen da.” Zur Närrischen Europäischen Gemeinschaft gehören 10.000 Vereine mit acht Millionen Mitgliedern in acht Ländern.

Karneval lebe von Witz und Geist und stelle einen „Teil der Wertegesellschaft” dar, sagte der Verbandspräsident. Doch nicht überall, wo Fasching oder Karneval draufstehe, sei dieser auch drin: „Wenn sich eine Herrenshow mit Striptease als Karnevalssitzung bezeichnet, dann wird der Name Karneval hier missbraucht und es geht um reine Geschäftemacherei.” Es dürfe auch nicht zugelassen werden, dass die fünfte Jahreszeit aus Kommerzgründen auf ein ganzes Jahr ausgeweitet werde.

„Der Karneval soll dort bleiben, wo er hingehört, nämlich in Vereinsstrukturen”, betonte Wagner. Dort werde das Thema Nachwuchs groß geschrieben. „Der Karneval muss, um überleben zu können, junge Menschen an sich binden.” Eine wichtige Rolle komme dabei auch den rund 80.000 jungen karnevalistischen Tanzsportlern in Deutschland zu. „Man muss die jungen Leute nicht nur am Rande mitlaufen lassen, sondern sie fordern, ihnen Aufgaben geben und sie in den Vereinen verankern, wenn sie von dem karnevalistischen Bazillus infiziert sind.” Wer dies ernst nehme, habe mit dem Nachwuchs kein Problem, betonte der Präsident des BDK, dem bundesweit 4900 Vereine mit 2,6 Millionen Mitgliedern angehören.

Das Brauchtumsfest wird dem Experten zufolge in Europa so unterschiedlich gefeiert wie er auch in Deutschland als Fastnacht, Karneval oder Fasching in Umzügen, Sitzungen oder Bällen ausfällt. „In Holland und Frankreich gibt es Bereiche, wo der Karneval stark über die Sitzungen läuft, in Italien lebt der Karneval dagegen allein von der Straße.”

In Österreich werde das Fest praktisch nur in Sitzungen gefeiert. Die Närrische Europäische Gemeinschaft, der auch Mitglieder aus der Schweiz, Belgien und Liechtenstein angehören, war Wagners Worten zufolge vor rund 40 Jahren von europäischen Nationalverbänden gegründet worden, die ihr Wirken unter ein gemeinsames Dach stellen wollten.