Aachen: „Pop Up!”: Wie Blüten soll die Kunst aufblühen

Aachen : „Pop Up!”: Wie Blüten soll die Kunst aufblühen

„Pop Up!”: Unter diesem fröhlichen Motto startet das Aachener Ludwig Forum in ein neues Zeitalter - unter der Ägide von Brigitte Franzen, die mit der ersten Ausstellung ihre Visitenkarte abgibt.

18 Künstler der Sammlung Ludwig konfrontiert sie mit neun zeitgenössischen Kreativen, frischen, jungen Positionen, die zum Teil erst eine einzige Einzelpräsentation hatten. „Pop Up!” - das heißt für die neue Direktorin so viel wie „Aufblühen”, „Aufplatzen” von Blüten im Frühling oder von Überraschungsfenstern im Internetbrowser.

In zwölf Räumen

Die zwölf Räume um die große Halle herum verraten sogleich die neue Kuratoren-Handschrift: Wo vorher eine gewisse Dichte herrschte, gewährt der Kunst jetzt viel weiße Fläche eine erhabene Atmosphäre.

„Pop Up!”, das soll erklärtermaßen keine Pop-Art-Ausstellung sein, sondern „Pop-Phänomene” thematisieren und reflektieren, konkret zum Beispiel das „Verhältnis von Kunst zu den Realitäten unseres Lebens”, die „Befindlichkeit des Menschen in der Mediengesellschaft” und das „Ende des Dokumentarischen im Spannungsfeld zwischen Abstraktion und Realismus”. Die jungen Damen, die demnächst durch die Schau führen werden, lauschten am Freitag mit großen Ohren den Erklärungen Brigitte Franzens. Ob da jeder verstanden hat, was zum Beispiel mit so schwierigen Dingen wie „Latenzen des Realistischen” gemeint ist, bleibt die Frage...

Um es vorwegzunehmen: Die Bezüge zwischen den Werken liegen nur ausnahmsweise so deutlich auf der Hand wie im ersten beziehungsweise im letzten Raum, je nachdem, an welcher Seite man seinen Rundgang beginnt: John Ahearns abgeformte Bewohner aus der New Yorker Bronx aus den frühen Achtzigern blicken von der Wand herab auf Duane Hansons drei obdachlose „Bowery Bums” von 1969, umgeben von der rauen Malerei eines Jean Michel Basquiat, 1960 geboren in New York, mit seinen Themen Ausbeutung, Unterdrückung und Rassenkonflikten. Die gesellschaftskritische Haltung verbindet hier ganz unterschiedliche Künstlergenerationen.

Ungleich schwieriger zu erahnen ist da schon die gedankliche Verwandtschaft zwischen Roy Lichtensteins Comic-Lady, Gerhard Richters „Landschaft bei Hubbelrath”, Richard Estes´ fotorealistisches Broadway-Schaufenster und Sofia Hulténs Video von einem qualmenden Holzstuhl. Stiften Momente des Alltags hier den Zusammenhang?

Chuck Closes bis in die letzte Hautpore detailliertes Porträt des Bildhauers Richard Serra blickt gewohnt stumpf auf die Fotos von Robert Smithson auf der gegenüberliegenden Wand: Abbildungen von steinern-erdigen Spiralen, die der amerikanische Künstler 1970 am Großen Salzsee in Utah angehäuft hatte - als „Objekte im Zustand der Dislokation” (Franzen). Der gleichermaßen „präzise Blick” auf Menschen wie auf Landschaften der gegenübergestellten Künstler gilt hier als gemeinsamer Nenner.

Einige Räume sind einzelnen Künstlern gewidmet wie der 1971 in Seoul geborenen Haegue Yang. Ihre unscheinbaren würfeligen Objekte aus Metallgestellen, Jalousien, Draht und leuchtenden Glühlampen lassen nicht ahnen, dass sie sich auf eine Wohung in der Rue Saint-Benoit in Paris beziehen sollen, in der in den vierziger Jahren Marguerite Duras mit ihren zwei Männern gelebt hat - ein wichtiger Treffpunkt der Résistance.

Und nach dem Zweiten Weltkrieg Umschlagplatz für kommunistische Ideen. Der Abstraktionsgrad, mit dem die südkoreanische Künstlerin diese Situation in ihrer Installation umschreibt, ist geradezu lichtjahrehoch.

Yangs Werk ist durchaus kennzeichnend für die ganze Ausstellung. An intellektuellem Anspruch, geistiger Anforderung und Erklärungsbedürfnis mangelt es der „Pop Up!”-Schau jedenfalls nicht...

Ausstellung „Pop Up!” im Aachener Ludwig Forum, Jülicher Straße 97-109. 0241/1807104. Eröffnung: Sonntag, 5. April, 12 Uhr. Dauer: bis 23. August. Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro. Geöffnet: Di., Mi., Fr. 12-18 Uhr, Do. 12-20 Uhr, Sa., So. 11-18 Uhr.

Rahmenprogramm: Unter anderem gibt es am 9. April um 18.30 Uhr eine Führung mit Brigitte Franzen. Ein Künstlergespräch mit Suzan Pitt findet am 14. Mai um 18.30 Uhr statt, am 23. April eine Lehrerinformation zur Ausstellung (0241/1807104).