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Bonn: Politessen mit kühlem Kopf in hitziger Debatte

Bonn : Politessen mit kühlem Kopf in hitziger Debatte

Für Else Schönborn und Gertrud Kurscheid aus Bonn zählen Beleidigungen und hitzige Diskussionen zum Alltag. Fast jeden Tag müssen die Frauen harsche Kritik und böse Blicke einstecken.

Doch damit haben sie sich abgefunden, denn als Politessen gehört dies zu ihrem Beruf. Die beiden Frauen und ihre Kolleginnen stehen immer häufiger rabiaten oder pöbelnden Verkehrssündern gegenüber. Der Umgangston auf den Straßen ist nach Angaben der Stadt Bonn rauer geworden. Deshalb bietet die Stadt spezielle Seminare für Politessen an, in denen diese auf aggressive Autofahrer vorbereitet werden.

„Zunächst wird bei dem eintägigen Training das sichere Auftreten geübt”, berichtet Kursleiter Bernd Völker. Dabei lernen Schönborn, Kurscheid und ihre zumeist weiblichen Kollegen etwa in Rollenspielen eine selbstbewusste Haltung. Zusätzliche Entspannungsübungen sollen für ein ruhiges und sachliches Auftreten sorgen. Dadurch werde den Politessen außerdem vermittelt, sich selbst in Konflikten schnell zu beruhigen, sagt der Psychologe Völker.

Ein zentrales Element des Kurses ist das Gespräch zwischen dem Psychologen und den Teilnehmern. In der Gruppe schildern die Frauen zunächst Situationen aus ihrem Arbeitsalltag, in denen sie sich besonders unwohl fühlten. „Aus den Berichten werden dann Rollenspiele entwickelt, in denen die Politessen ihr Verhalten trainieren”, sagt Völker. So müssen die Frauen etwa in einer nachgestellten Szene einen aufgebrachten Autofahrer beruhigen. Die Teilnehmer sollen dabei möglichst ruhig bleiben, während der Übeltäter bedrohlich nahe kommt und sich lautstark über die ungerechte Behandlung beklagt.

Genau mit solchen Situationen werden Schönborn, Kurscheid und ihre Kolleginnen sehr häufig in der Praxis konfrontiert. Schönborns bisher schlimmstes Erlebnis war ein wütender Autofahrer, der ihr glaubhaft mit der Faust drohte und sich über einen Strafzettel beschwerte. Gertrud Kurscheid versetzte ein Falschparker den größten Schock, als er eine Kiste auf ihren Fuß fallen ließ. Besonders schockiert sind beide aber von dem Schicksal einer Kollegin, die mit einem „Laserpointer” am Auge verletzt wurde.

„Seit einigen Jahren nimmt die Gewaltbereitschaft deutlich zu”, erklärt der Bonner Stadtdirektor Arno Hübner. Außer der Augenverletzung durch den Laser gab es aber keine schweren Verletzungen - abgesehen von kleineren Blessuren. Über ähnliche Tendenzen berichten auch Köln und Düsseldorf.