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Aachen: Pointiert gestaltet: Bachs „Johannes-Passion“ im Aachener Dom

Aachen : Pointiert gestaltet: Bachs „Johannes-Passion“ im Aachener Dom

Bachs große Passionsmusiken gehören zum Standardrepertoire auch katholischer Chöre. Dass sich der Aachener Domkapellmeister Berthold Botzet gerade diesen Werken besonders eng verbunden fühlt, hat er schon mehrmals bewiesen. In diesem Jahr stand im gewohnt dicht besetzten Dom die „Johannes-Passion“ an der Pforte zur Karwoche auf dem Programm.

Im Prinzip wiederholen sich die positiven Eindrücke der letzten Bach-Produktionen des Domchors. Der Chor mit seinen hellen Knabenstimmen verleiht dem straff gewirkten Werk einen leicht herben Klang, der das Klangbild des ohnehin recht trocken und transparent instrumentierten Werks vorzüglich ergänzt. Dass in der Weite des Kirchenschiffs manche Kontur weicher und verschwommener als gewollt erklingt, lässt sich wohl nicht vermeiden. Ebenso wenig einige Ungenauigkeiten im Zusammenspiel von Chor und Solisten mit dem professionell agierenden „Concert Royal Köln“.

Dramatischer Impetus

Gleichwohl unterstreicht Botzet den dramatischen Impetus der Passion durch pointiert gestaltete Turba-Chöre, deren polyphone Anforderungen dem gut geschulten Domchor keine Probleme bereiten. Stilsicherheit und Intonationsstabilität gehören zu den Gütesiegeln des Ensembles. Einbußen in Sachen Textverständlichkeit sind der Akustik des Doms anzulasten. Das betrifft, wenn auch in geringerem Maße, die von Botzet erfreulich zügig geschlagenen Choräle.

Viel Zeit lässt er sich dagegen bei den Solo-Gesängen, vor allem den lyrisch gefärbten Arien. Das führt mitunter zu Längen, zumal die Phrasierung bisweilen etwas matt ausfällt. Gleichwohl hat man ein durchweg exzellentes Solistenquintett aufgeboten mit dem souveränen und erfahrenen Markus Schäfer an der Spitze, der die Evangelistenrolle ebenso kultiviert wie rhetorisch lebendig deklamiert und auch den Arien nichts an vokaler Geschmeidigkeit schuldig bleibt. Die etwas zähen Alt-Arien belebt Henriette Gödde durch ihre jugendlich-frische Stimme. Auf gleicher Höhe überzeugt die Sopranistin Christine Wolff. Der kurzfristig eingesprungene Bassist Alexander Schmidt gestaltet die Christus-Partie mit ebenso unaufdringlicher wie unauffälliger Noblesse. Etwas gleichförmig wirken die von Daniel Blumenschein beigesteuerten Bass-Arien.

Viel Beifall für eine denkwürdige Aufführung eines denkwürdigen Werks.