Lontzen: Picknickdecken, belgische Pommes und Herbert Grönemeyer

Lontzen: Picknickdecken, belgische Pommes und Herbert Grönemeyer

Lontzen ist wahrlich keine Weltstadt. Deshalb wirkte das, was für Herbert Grönemeyer an Christi Himmelfahrt im East Belgian Park aufgefahren worden war, wie eine Invasion. Man war gerade von der Autobahn abgefahren, und schon wimmelte es von Parkplatzhinweisen, Menschen mit orangefarbenen Westen, Absperrband und luxuriösen Reisebussen mit getönten Scheiben.

Dass ein solches Ereignis die Organisatoren vor eine große Herausforderung stellt, ist klar. Umso sympathischer die unkonventionellen Lösungen: Der Parkplatz lag direkt gegenüber eines Bauernhofs und wird wohl sonst als Kuhweide genutzt.

Mitorganisator Ludwig Brühler war die Anspannung dennoch anzumerken. Auch am Tag der Veranstaltung hatte er alle Hände voll zu tun. Bekommt man da eigentlich überhaupt etwas von dem Konzert mit? „Ich hoffe schon, dass wir später ein paar Lieder hören werden.” Damit auch sonst auf dem Konzertgelände alles glatt lief, waren Polizei, Feuerwehr und das Rote Kreuz im Einsatz - inklusive vier Mann starker Reiterstaffel.

Das schöne Wetter ließ Festival-Stimmung aufkommen; mehrere Besucher hatten eine Picknickdecke im Gepäck und machten es sich auf der Wiese vor der Bühne bequem. Das Publikum war bunt gemischt: Sowohl die tätowierte Punkerin als auch das Ehepaar Ende 50 waren zu Grönemeyers Auftakt des zweiten Teils der „Schiffsverkehr”-Tournee gekommen. Passend dazu gab es an den Merchandise-Ständen Matrosenhüte zu kaufen.
Anja Hauser-Monien und Sa­brina Bäumer bekamen davon wenig mit. Die beiden Essenerinnen hatten VIP-Karten geschenkt bekommen und deshalb von der Terrasse des Zelts mit lilafarbenem Teppichboden einen besonders guten Blick auf die Bühne. „Wir hoffen vor allem auf ältere Lieder”, sagte Anja Hauser-Monien.

Den Gefallen tat ihnen Grönemeyer: Über „Bochum”, „Männer” bis hin zu „Alkohol” und den Songs des aktuellen Albums war alles mit dabei. Ohne Allüren, aber mit Witz und viel Selbstironie gestaltete er die Bühnenshow. Statt Spezialeffekten gab es Lob für die belgischen Pommes. Dass die Fans nicht ganz so mitsangen wie beim „Schiffsverkehr”-Konzert in Köln im vergangenen Jahr mag an den zum Abend hin kühlen Temperaturen gelegen haben. Trotzdem entließen die nach Veranstalterangaben über 7000 Zuschauer Grönemeyer erst nach drei Stunden und drei Zugaben.

Das Publikum war glücklich, und auch die an der Organisation Beteiligten zogen ein positives Fazit. „Es ist alles super gelaufen”, sagte Bühler, die Arbeit der Polizei beschränkte sich auf die Regelung des Verkehrs. Nun steht das große Aufräumen an, bevor Anfang kommender Woche wieder die gewohnte Ruhe in Lontzen einziehen kann

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