Malen im besetzten Paris: Picasso in den Kriegsjahren

Malen im besetzten Paris : Picasso in den Kriegsjahren

Picasso war ein berühmter Maler, als er in Paris unter deutscher Besatzung lebte. Deshalb konnte er weitermalen. Aber er zog sich zurück, griff zu traurigen Farben und Andeutungen.

Radieschen, Orangen, Zitronen, Lauch und Langusten: Mit solchen Beigaben machte Picasso seine Bilder zu einem Ausdruck des Mangels. Der spanische Maler lebte nämlich während des Zweiten Weltkriegs überwiegend im von den Deutschen besetzten Paris. Und das war eine Stadt ohne Taxis, ohne Zigaretten, ohne Schokolade, mit Lebensmittelkarten und Ausgehverbot.

Während andere Künstler ins Exil gehen müssen, entscheidet sich der damals schon berühmte Picasso fürs Bleiben. Und malt und malt in innerer Emigration in seinem riesigen Atelier. Die Ausstellung in Düsseldorf „Pablo Picasso. Kriegsjahre 1939 bis 1945“ zeigt aus dieser Zeit knapp 70 Gemälde, Skulpturen, Papierarbeiten und Illustrationen (15.2. bis 14.6.). Nach dem Musée de Grenoble in Frankreich ist Düsseldorf die zweite Station.

In diesen „schwarzen Jahren“ bleiben Stillleben, weibliche Akte und Porträts die bevorzugten Ausdrucksformen des spanischen Malers. Aber der allgegenwärtige Tod, das Leiden und die Angst drücken sich in düsteren Farben aus. Totenköpfe und Tierschädel werden zu Leinwand-Motiven. In vielen Werken tauchen deformierte, verzerrte und entstellte Körper auf. Im Bild „Junge mit Languste“ zeigt er die groteske Gestalt eines Kindes mit einem nackten Geschlecht wie eine Kanone.

Seine Muse dieser Jahre, die Fotografin und Malerin Dora Maar, porträtiert Picasso häufig. Sie erscheint 1943 in einer tristen Darstellung mit gefletschten Zähnen als „Frauenbüste auf grauem Grund“. Ein anderes Mal malt Picasso seine Geliebte als weiblichen Akt in dunklen Farben, wie eingesperrt in einem engen Raum. Leitbild der Ausstellung ist eine magere, zerrupfte weiße Taube vor einem rabenschwarzen Hintergrund.

Im besetzten Paris war Picasso durch seine Berühmtheit relativ geschützt. Er durfte nicht verkaufen, hatte Ausstellungverbot, und seine Kunst wurde von den Nazis als „entartet“ verunglimpft. Trotz der Umstände war seine Schaffenskraft ungebrochen: Zwischen 1937 und 1945 entstanden über 2200 Gemälde. 1939 hatte er seine Werke im Tresorraum einer Bank sichern können.

„Picasso beteiligte sich in diesen Kriegsjahren nie aktiv in der Résistance“, schreiben Guy Tosatto und Susanne Gaensheimer, die Museumsdirektoren in Grenoble und Düsseldorf, im Katalog. Die nach Jahren geordnete Ausstellung beschreibt auch seine Lebensumstände. Picasso tauchte ab ins Private. Unter anderem besuchte er eine Ausstellung von Hitlers Lieblingsbildhauer Arno Breker in Paris. Er unterschrieb die von Ausländern verlangte Erklärung, dass er kein Jude sei. Ab 1942 begannen die Deportationen der Juden aus dem besetzten Frankreich in die Vernichtungslager.

Fotos zeigen den Künstler, der 1941 60 Jahre alt wurde, in seinem Atelier mit Zigarette, seinem Hund, mit seinen Gemälden und großen Statuen. Picasso schreibt ein Stück mit dem Titel „Wie man Wünsche beim Schwanz packt“. 1944, im letzten Frühjahr unter deutscher Besatzung, wird es im privaten Kreis unter Beteiligung von Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir und Albert Camus aufgeführt. Zwei der wiederkehrenden Themen sind der Hunger und die Kälte.

Nach der Befreiung von Paris im August 1944 wurde sein Atelier in der Rue des Grands-Augustins zum Pilgerort. Es wurde sogar zu den drei wichtigsten Besichtigungszielen gezählt - neben dem Eiffelturm und einem Varieté. Fotos zeigen US-amerikanische Soldaten mit seinen Bildern. Kriegsbilder habe er nicht malen wollen, erklärte Picasso damals. „Aber ich bin sicher, dass der Krieg Eingang genommen hat in die Bilder, die ich geschaffen habe“.

(dpa)