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Aachen: Pianist Martin Stadtfeld Solist im Sinfoniekonzert

Aachen : Pianist Martin Stadtfeld Solist im Sinfoniekonzert

Wenn der deutsche Pianist Martin Stadtfeld auf dem Besetzungszettel steht, sind volle Häuser garantiert. Dass die künstlerische Entwicklung des jungen, von einer geschickten Marketing-Maschinerie viel zu schnell an die Spitze der Aufmerksamkeit hochkatapultierten Mannes dem Rummel nicht gewachsen ist, zeichnet sich schon seit einigen Jahren ab.

Und auch im fünften Sinfoniekonzert im ausverkauften Eurogress präsentierte sich Stadtfeld mit Mozarts Klavierkonzert B-Dur KV 450 als ein Musiker, der sich mit seiner manierierten Extravaganz auf Irrwege begibt.

Und wenn man sich angesichts der völlig überzogenen Tempi an die problematischen Mozart-Einspielungen von Glenn Gould erinnert fühlt, ist das nicht als Kompliment zu verstehen.

Wir hören aufgesetzt zergrübelte Passagen und Kadenzen, die einem natürlichen, sorgfältig phrasierten und artikulierten Vortrag in die Parade fahren. Und die feinen, schlichten Kantilenen des Andantes in breitestem „Adagissimo“ zur Trauerelegie zu (er)drosseln, schrammt völlig am Werk vorbei. Da hilft es auch nicht, wenn er im Final-Allegro das Gaspedal durchtritt. Das wirkt so unorganisch wie der Höllenritt, den er als Zugabe mit einem kleinen Tänzchen des achtjährigen Mozart in virtuosester Liszt-Manier entfachte.

Seriöser erklang da zuvor Joseph Haydns Symphonie Nr. 44, die sogenannte „Trauer-Symphonie“, unter den Händen von Justus Thorau, dem eine hörenswerte, wenn auch nicht schlackenlose Interpretation gelang. Thorau traf durchaus den Nerv der Musik, selbst wenn das Adagio ein wenig blass dahinplätscherte. Problematisch schlug sich hier in diesem relativ klein besetzten Werk die klangliche Unausgewogenheit nieder, wenn die vier Bläser mit ihren Harmoniestimmen die melodietragenden Stimmen übertönen.

Ein Manko, das sich in Johannes Brahms 4. Symphonie mit unkontrolliert schmetternden Trompetenstimmen noch verstärkte. Thorau stellt sich mit diesem Werk einem besonders heiklen Problem, wenn Brahms vor allem im Kopfsatz zwar melodisch schwebende Schwerelosigkeit und klangliche Schlankheit anstrebt, die Instrumentation und die teilweise dramatischen Zuspitzungen ein fettarmes Klangbild jedoch erschweren. Die Balance zwischen lichter Transparenz und nachdrücklicher Energie gelang Thorau dennoch weitgehend. Weniger allerdings die Herausforderung, die zersplitterte Anlage des Schlusssatzes zu einer formalen Geschlossenheit zu bringen. Und orchestral wackelte es an etlichen Stellen mehr als gewohnt. Insgesamt ein Konzert mit Licht- und Schattenseiten.