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Köln: Pianist Jonathan Biss liebt das musikalische Gespräch

Köln : Pianist Jonathan Biss liebt das musikalische Gespräch

Warum spielt er ausgerechnet Klavier? Die Frage ist berechtigt, denn der Amerikaner Jonathan Biss kommt aus einem Elternhaus, in dem die Violine den Vorrang hat - immerhin sind Vater und Mutter bekannte Virtuosen und Lehrer.

„Ehrlich gesagt, war das eine unbewusste Entscheidung”, so der 26-Jährige, „aber sicherlich war es schon zukunftsweisend. Es wäre bestimmt noch schwieriger gewesen, ein Teenager zu sein und den eigenen Lebensweg zu suchen, wenn ich gleichfalls Violine gespielt hätte. So konnten wir eine gesunde Distanz pflegen.”

Offensichtlich ist dieser Abstand ihm und seiner Karriere gut bekommen. Dirigenten wie Daniel Barenboim und Lorin Maazel schätzen ihn als Solisten, er ist mit großen Orchestern in der ganzen Welt unterwegs - und demnächst auch in Deutschland, gemeinsam mit der Academy of St. Martin in the Fields unter der Leitung von Sir Neville Marriner.

Am Mittwoch, 9. Januar, gastiert er zum Beispiel in der Kölner Philharmonie, am Freitag, 11. Januar, im Konzerthaus Dortmund und am kommenden Samstag in der Düsseldorfer Tonhalle. Auf dem Programm steht neben Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll und dessen „Leonoren-Ouvertüre” Dvoraks Sinfonie Nr. 8 G-Dur.

„Ich liebe alle fünf Klavierkonzerte von Beethoven und bin immer wieder erstaunt, wie unterschiedlich sie sind. Das Konzert Nr. 3 ist besonders dramatisch und für mich ein Beispiel für seine ,Moll-Stimmung´, manchmal klingt Beethoven, als ob seine Musik aus einem anderen Universum kommt.”

Seine CDs, unter anderem mit Werken von Robert Schumann, finden bei Kritik und Publikum gleichermaßen Anklang. Wie findet er als junger Künstler Wege der Interpretation? „Meine größte Inspiration ist die Musik selbst, wobei ich glaube, dass große Werke sich beständig verändern und in Bewegung bleiben. Sie hören niemals auf, wichtig zu sein. Je intensiver ich ein Stück studiere, um so tiefer ist meine Beziehung zu ihm.”

Gern spricht Jonathan Biss davon, wie er sich bemüht Musik zu „finden”, sie neu zu entschlüsseln. „Große Musik zu spielen, ist eine enorme Verantwortung”, meint er nachdenklich. „Ich glaube, letztlich ist es unmöglich, alles zu ergründen, aber mit jedem Konzert entdecke ich, etwa beim dritten Klavierkonzert, neue Qualitäten.”

Die Zusammenarbeit mit großen und erfahrenen Dirigenten fördert diesen Entwicklungsprozess. „Darüber bin ich sehr glücklich”, betont Biss. „Mit einem Orchester zu spielen ist für mich eine Art musikalisches Gespräch. Zum eigenen Spiel gehört es, das Gegenüber zu verstehen und zu akzeptieren. Unterschiedliche Dirigenten pflegen unterschiedliche Sichtweisen, das tut mir gut.”

Und Pläne für die Zukunft gibt es auch schon. „Ich hoffe natürlich, dass ich so weitermachen kann, aber ich möchte gern alle 32 Beethoven-Sonaten einspielen sowie Zyklen aus allen 27 Mozart-Konzerten, davon träume ich.”

Ist da noch Raum für andere Leidenschaften? „Oft habe ich wirklich nur im Flugzeug oder in der Wartehalle Gelegenheit zum zum Lesen. Ich bin ein totaler Tennis-Fan, ich wünschte, ich könnte viel öfter spielen...”