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Heinsberg: Pflegeeltern warten schon auf Findelkind Fabian

Heinsberg : Pflegeeltern warten schon auf Findelkind Fabian

Erst wenige Tage ist er alt, der putzmuntere kleine Kerl, den seine Pflegerinnen im Heinsberger Krankenhaus auf den Namen Fabian „getauft” haben. Doch einen Medienrummel löst er aus, als handele es sich um einen Superstar.

Dabei ist sein Schicksal, das derzeit viele Menschen berührt, wahrlich kein Grund zur Freude. Am Sonntagabend wurde der blonde Knabe, eingewickelt in Handtücher, in einer Umhängetasche vor einem Haus im Heinsberger Stadtteil Karken ausgesetzt. Um die Hausbewohner auf den Kleinen aufmerksam zu machen, hatte eine unbekannte Person an der Tür geklingelt, war dann aber mit einem Pkw, der niederländische Kennzeichen trug, Richtung Grenze verschwunden.

Eine heiße Spur gebe es derzeit nicht, bestätigte am Dienstag ein Sprecher der Polizei. Die Ermittlungen im Hinblick auf die Tragetasche, die durch ihre Aufschrift einer Herrenboutique im belgischen Maaseik zugeordnet werden konnte, verliefen im Sande. Denn schon seit 2006 seien Tragetaschen dieses Typs dort nicht mehr an die Kundschaft ausgegeben worden.

Suche im Grenzraum

Dass die Mutter des Kindes in Belgien lebe, sei jedoch ohnehin eher fraglich, vermuten die Experten der Kripo. Nach kriminalistischer Erfahrung spräche die weite Entfernung zum Ort der Aussetzung dagegen. Daher konzentriere sich die Suche vor allem auf den niederländischen Grenzraum, wobei die deutschen Behörden von ihren Kollegen jenseits der Grenze unterstützt würden. Das Landeskriminalamt hat bereits DNA-Spuren gesichert, um gegebenenfalls eine schnelle Identifizierung der Mutter zu ermöglichen.

Wenn es die Ärzte zulassen, wird Fabian wohl spätestens bis zum Ende dieser Woche seine neuen Pflegeeltern kennenlernen, die bereits feststünden, erklärt Herbert Houben, Geschäftsführer des Heinsberger Krankenhauses und gleichsam Pressesprecher der Stadt.

Der Säugling sei offenbar kerngesund, weise lediglich an den Händchen einige trockene Hautstellen auf, was dafür sprechen könne, dass das Kind später als zum errechneten Termin zur Welt gekommen sei. Die Hautauffälligkeiten seien jedoch harmlos und würden mit der Zeit verschwinden. Derzeit teile Fabian sich mit 14 weiteren Säuglingen die Aufmerksamkeit des Pflegepersonals.

Gefragtes Pflegekind

Aufgrund der Medienberichte habe es sogar vereinzelt Anfragen von Eltern gegeben, die Fabian gerne in Pflege nehmen wollten. Dies jedoch sei nicht so einfach, wie sich vielleicht mancher vorstelle, erläutert Houben.

Rund 150 Stunden würden potenzielle Pflegeeltern geschult und einer Prüfung durch das Jugendamt unterzogen, ehe die Vermittlung eines Kindes überhaupt in Betracht käme. „Wer eine solche Schulung nicht nachweisen kann, kommt grundsätzlich nicht in Betracht.” Sollten die Eltern von Fabian nicht gefunden werden, erhält das Kind automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft, da es in Deutschland gefunden wurde.