Aachen: Pfarrer fuhr seine Schäfchen zum Drogeneinkauf: Freispruch

Aachen : Pfarrer fuhr seine Schäfchen zum Drogeneinkauf: Freispruch

Ob der Geistliche bei der Drogenfahrt seine Soutane anhatte oder in „Zivil” am Steuer saß, das wurde vom Aachener Schöffengericht nicht weiter thematisiert.

Ein heute 74-jähriger Pfarrer aus der Gegend bei Erftstadt war vor etwa zweieinhalb Jahren gemeinsam mit zwei drogenabhängigen Frauen dem Zoll an der niederländischen Grenze zwischen Vaals und Aachen in die Falle gegangen.

Jetzt musste sich die höllische „Fahrgemeinschaft” vor Gericht verantworten. Für den jetzt pensionierten katholischen Pfarrer aus einer kleinen Gemeinde stand bei der Verhandlung nicht mehr allzu viel auf dem Spiel.

Selbst die Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass die Naivität des Geistlichen schamlos von der erst 25-jährigen Hauptangeklagten ausgenutzt wurde. Der Himmel zürnte dem Gottesmann nicht weiter, er wurde wegen absoluter Gutgläubigkeit freigesprochen. Die Strafe des Gerichts aber für die bereits erheblich vorbelastete 25-Jährige sieht deftiger aus. Für die Misshandlung von Kindern ihrer ehemaligen Lebensgefährtin war sie bereits 2006 vom Landgericht verurteilt worden und sitzt das gerade ab.

Weitere, bislang nicht bekannte Kokainfahrten wurden am Montag zu der Strafe hinzugeschlagen, das summiert sich auf vier Jahren Haft. Wegen der Fahrt mit geistlichem Beistand kommt noch eine Strafe von eineinhalb Jahren hinzu. Die Richterin verurteilte die damalige, ebenso drogenabhängige wesentlich ältere Freundin (44) der Hauptangeklagten zu acht Monaten auf Bewährung.

Bei der Kokain-Fahrt mit dem Auto des Geistlichen machte das Damenduo einen entscheidenden Fehler. Von einem öffentlichen Fernsprecher der Raststätte Aachen-Land aus wählte die Frau den Dealer in Vaals an - damit auf dem Handy, wie der Staatsanwalt die Taktik beschrieb, nicht die verräterische niederländische Vorwahl auftaucht. Doch genau das riss die Himmlischen rein. Die Ankündigungsanrufe zu den Dealern waren dem Zoll bekannt, und der beobachtet die Fernsprecher. So auch hier.

Nachdem die Frauen gegen Mitternacht in Vaals Rauschgift eingekauft hatten, kassierte der Zoll sie bei der Rückfahrt auf deutscher Seite ein. Ein Päckchen Koks lag unter dem Beifahrersitz, ein anderes trug die 25-Jährige am Körper. Dem Geistlichen hatten die Frauen vorgegaukelt, sie würden von den Holländern noch Geld bekommen. Damit sollte eine fünfstellige Summe abgetragen werden, die der Pfarrer seinem straffälligen Schäfchen bereits geliehen hatte.