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Mönchengladbach: Paul Linckes Operette „Frau Luna“ im Theater Mönchengladbach

Mönchengladbach : Paul Linckes Operette „Frau Luna“ im Theater Mönchengladbach

Schon zur Ouvertüre geht wiederholt ein Raunen durchs Parkett. Immer dann, wenn Paul Lincke eine neue seiner Schlagermelodien auffädelt, erkennt das Operettenpublikum hörbar erfreut seine Lieblinge.

„Schlösser, die im Monde liegen“, „Lasst den Kopf nicht hängen“ dudeln neben anderen wohlgefällig durch den Graben im Theater Mönchengladbach, in dem Alexander Steinitz die Niederrheinischen Sinfoniker mit Verve durch die Marsch-, Walzer- Polka- und anderen Tanzrhythmen dirigiert. Es ist ein Ausflug zum Mond, der zur Jahrhundertwende gerade groß in Mode war, den Paul Lincke hier anzettelt. „Frau Luna“ ist so etwas wie eine Revue aus seinen großen Schlagern, deren bekanntester, „Das ist die Berliner Luft“ bestens zum Stimmungsmacher taugt, wenn die Handlung sich mal wieder in Wohlgefallen auflöst. Das alles funktioniert in Mönchengladbach ganz wunderbar unterhaltsam.

Ansgar Weigner hat Linckes träumerische Reise zum Mond einerseits irgendwo in einer Plattenbausiedlung in Neukölln verortet, mit bunten Satellitenschüsseln und der typisch skurrilen Eckkneipe, andererseits das Reich der güldenen Frau Luna in eine Mischung aus Kanzleramt und Raumpatrouille verlegt. Die Mondgöttin trägt unverkennbar Züge der Kanzlerin. Das ist es aber auch schon fast mit der Aktualisierung, denn die Figuren der „Frau Luna“ müssen vor allem plausibel sein. Das kriegt Weigner prima hin.

Steppke, der junge Mondträumer, ist bei Tenor Markus Heinrich ein herrlich sympathischer Idealist, der die Welt verändern will. Für Liebe scheint ihm das Punkermädchen Marie (Susanne Seefing) naheliegend, in puncto „Jerechtichkeit“ ist Frau Luna (Debra Hays) weitaus anziehender. Dass Steppke am Ende wieder in Neukölln aufwacht — nach dem Motto: Mutti ist die Beste, aber zu Hause ist es doch am Schönsten —, führt die an und für sich nebensächliche Handlung zu einem frohen Ende.

Lustig ist das alles allemal. Wir erleben als Besatzung des interstellaren Raumschiffs neben Steppke unter anderen seine Vermieterin Frau Pusebach, für die Musical-Röhre Kerstin Brix mit fulminantem Hüftschwung noch einmal in Schürze und Tigerkleid ans Haus zurückkehrt. Auf dem Mond geben sich dann lauter weiß gewandete Lichtgestalten die Ehre.

Theophil ist ein ganz schlimmer Käfer (köstlich Matthias Wippich), Stella (Gabriela Kuhn) eine gestrenge Staatssekretärin, als auf seine Reputation bedachter Prinz Sternschnuppe macht Michael Siemon eine ausgezeichnete Figur. Der echte Hingucker dieser traumhaft kosmischen Sphäre jedoch sind die vielen Sternchen, für deren verschwenderische Ausstattung die Kostümabteilung unter Anleitung von Marlies Knoblauch alle Fantasie hat spielen lassen. Allen voran die atombombenbusige Venus (Amelie Müller singt aber auch sensationell) und der witzigerweise nur koreanisch sprechende und singende Shinyoung Yeo als Sumo-Ringer Mars, beide als Mitglieder des Opernstudio Niederrhein vielversprechende Talente.

Überhaupt gibt es herrlich viel zu sehen auf der Bühne von Jürgen Kirner, die mit allerlei Projektionen animiert ist. Sogar ein kleines, feines Ballettensemble ist in Aktion, was ebenfalls mit Sonderapplaus bedacht wird. Entzückend das Glühwürmchen-Ballett und besonders die „Berliner Luft“ als Running Gag.