1. Kultur

Blankenheim: Paradebeispiel römischer Lebenskultur: Villa Rustica wird freigelegt

Blankenheim : Paradebeispiel römischer Lebenskultur: Villa Rustica wird freigelegt

Archäologen graben in Blankenheim einen in Nordrhein-Westfalen einzigartigen römischen Gutshof zum zweiten Mal aus. Die „Villa Rustica” sei ein Paradebeispiel römischer Lebenskultur, sagte der Direktor des Rheinischen Amts für Bodendenkmalpflege, Jürgen Kunow, am Montag in dem Eifelstädtchen.

1894 waren die Reste des einst prächtigen Gebäudes schon einmal freigelegt worden. Der Fund wurde aber von Wetter und Mensch zerstört und die letzten Reste wurden schließlich von Erdreich überlagert. Nun will der Landschaftsverband Rheinland die Villa erneut ausgraben und mit der Stadt als touristische Attraktion gestalten.

Das Anwesen mit 45 Zimmern war terrassenförmig in einen Hang gebaut. Das Haupthaus hatte einen prächtigen Säulengang. Marmor und Mosaike wurden gefunden. Auch sonst war die Ausstattung luxuriös: Mehrere Räume hatten eine Fußbodenheizung, die Wände waren farbig verputzt, und im Norden befand sich ein Badetrakt. „Hier wohnte eine sehr wohlhabende Familie”, sagte Kunow. Zu einem Juwel wird die Villa für die Denkmalpfleger aber erst durch das architektonische Konzept.

Es ist das bisher einzige in NRW bekannte Beispiel für eine sogenannte Axialvilla. Achsensymmetrisch zum Haupthaus waren zu beiden Seiten sechs Nebengebäude angeordnet. „Die Villa ist beeindruckend durch ihr klares gestalterisches, architektonisches Konzept”, sagte Direktor Kunow.

Nach der ersten Ausgrabung galt die Villa zunächst als sensationeller Fund. Die damals noch stattlichen Mauerreste von mehr als einem Meter Höhe wurden zur touristischen Attraktion. Doch später nutzten die Leute die antiken Mauerreste teilweise als Baumaterial. Der Rest wurde von Erdreich überdeckt.

Experten stellten in den letzten Jahren fest, dass trotzdem noch wesentliche Denkmalsubstanz vorhanden ist. Diese soll nun ausgegraben werden. Ein mögliches Konzept könne eine Teilrekonstruktion sein, sagte Kunow. Lösungen wurden am Montag bei einer internationalen Tagung mit 50 Experten diskutiert. Es werde keinesfalls eine kurzfristige Umsetzung geben. „Man braucht einen langen Atem. Wir sagen nicht, dass es in zwei, drei Jahren fertig sein wird.”, sagte Kunow.