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Köln: Papsthügel wird zur Pilgerstätte

Köln : Papsthügel wird zur Pilgerstätte

Tanzende und singende junge Menschen und ein Meer aus Kerzenlichtern - zwei Jahre ist es her, dass junge Gläubige aus aller Welt zum Marienfeld bei Köln pilgerten, um mit Papst Benedikt XVI. gemeinsam den Abschluss des Weltjugendtages zu feiern.

Dort, wo einst eine Million Menschen gemeinsam tanzten, sangen und beteten, ertönt jetzt der Lärm von Baugeräten. Am Fuß des zehn Meter hohen Papsthügels stapeln sich unzählige Basaltlava-Steine. Ein Dutzend neu gepflanzter Kirschbäume, die an die zwölf Aposteln erinnern sollen, zieren den Berg. Zwei Bagger haben den Boden für einen Altar aus 27 Steinquadern geebnet. Der bildet am Samstag den Mittelpunkt eines Open-Air-Gottesdienstes.

Zwei Jahre nach dem Weltjugendtag in Köln soll der Papsthügel mit einer Feier offiziell eingeweiht werden. „Der Hügel ist als eine Erinnerungsstätte an das Großereignis Weltjugendtag gedacht”, sagt Christoph Heckeley, Pressesprecher des Erzbistums. Konzeption und bauliche Umsetzung finanzierte das Bistum als jetziger Eigentümer.

Lange wurde diskutiert, was mit dem Papsthügel, der teils auf Kerpener, teils auf Frechener Gebiet steht, geschehen soll. Rund 800.000 Euro hätte es gekostet, den Erdberg wieder abzutragen, erklärt das Erzbistum.

„Das wäre schade gewesen”, sagt Hans Noczinski aus Grefrath, der bei Radtouren und Wanderungen oft Pause auf dem Papsthügel macht. Voller Begeisterung erzählt Noczinski von dem Großereignis, bei dem das Marienfeld 2005 in ein Meer aus Kerzenlichtern verwandelt wurde, durch dessen Mitte man ein schwankendes Kreuz trug.

„Wenn ich dort bin, erinnert es mich einfach daran, dass der Papst hier war - und eine Million Jugendliche”, schwärmt er. Um das imposante Holzkreuz, das auf dem Hügel thront, ist ein Metallstern in den Boden eingelassen worden. Espa?a, Türkiya, Namibia - 180 Länder sind in das Kreuz graviert und erinnern an die Gäste aus aller Welt, die mit dem Papst nahe der Domstadt beteten.

Während das hohe, schlanke Holzkreuz in der brettflachen Landschaft im rekultivierten Braunkohletagebau von weitem zu sehen ist, findet sich an den Zufahrtsstraßen aber kein Hinweisschild, kein Wegweiser. Ein sandiger, versteckter Pfad führt von Grefrath durch Laubbäume und Felder auf den Papsthügel zu.

Vereinzelt sieht man Radfahrer und Spaziergänger, die schon vor der offiziellen Einweihung die Erinnerungsstätte besuchen wollen. Wer den Papstberg erklimmt, kommt ins Gespräch. „Hör mal, wir standen doch da hinten, oder?”, fragt eine ältere Frau und deutet gen Westen. An dem Kreuz haben Pilger Steine mit Wünschen für die Zukunft abgelegt.

„Samstags und Sonntags sieht man schon viele Leute hierher pilgern”, erzählt Marianne Nagel, die ihrem Besuch aus Bad Ems den Berg zeigt, dessen Bild in die ganze Welt hinausging. „Die wollten das hier natürlich auch mal sehen”, erklärt sie und erklimmt den Hügel. Die Ruhe oben sei außergewöhnlich. Es sei eine „touristische Attraktion”, stimmt Cornelia Höhne zu, die aus Lübeck gekommen ist.

Man tauscht sich über Erinnerungen aus und begutachtet die baulichen Veränderungen. „Es ist wichtig, das der Hügel erhalten bleibt, so bleibt die Erinnerung an das persönliche Erlebnis präsent”, betont Andrea Menne, die dabei war, als der frühere Kardinal Joseph Ratzinger erstmals als Papst am Weltjugendtag zu den Gläubigen sprach.

Diesen Moment will das Erzbistum mit der offiziellen Erinnerungsstätte lebendig halten. „Es gibt ein grundlegendes Motiv, das den Bau und die Erhaltung immer begleitet: Erinnerung und Vergegenwärtigung des Weltjugendtages”, erklärt Patricia Jungnickel vom Erzbistum Köln.

Die zwölf Kirschbäume sollen in der Blütezeit an das weiße, wolkenförmige Dach erinnern, unter dem der Papst einst betete. Der Weg auf den Berg ist ein Pilgerweg in vier Etappen. Wenn am Samstagnachmittag Pilger zum Papsthügel ziehen und gemeinsam eine Messe feiern, soll die Atmosphäre des Großereignisses für einige Stunde wieder lebendig werden.