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Aachen: Palmen, Seefahrer und eine sechsjährige Komponistin

Aachen : Palmen, Seefahrer und eine sechsjährige Komponistin

Zu einer stimmungsvollen, musikalisch leuchtkräftig schillernden Märchenstunde hat das Aachener Theater mit dem vierten und letzten Familienkonzert der Saison eingeladen.

Auch wenn offensichtlich das sommerliche Wetter nicht ganz so viele junge Musikfreunde ins immer noch gut besuchte Theater lockte, erwartete sie eine spannende Stunde mit Geschichten aus „1001 Nacht“, die die bewährte Musikvermittlerin Lisa Klingenberg nicht nur schlicht und pointiert vortrug, sondern auch mit anderen orientalischen Stoffen verknüpfte.

Etwa mit der Liebesgeschichte des Sohnes von Fürst Igor, so dass zwei orientalisch geprägte Schlüsselwerke des russischen Musik-Repertoires zur Geltung kommen konnten: nämlich Ausschnitte aus Rimski-Korsakows grandioser Tondichtung „Scheherazade“ sowie den Polowetzer Tänzen aus Alexander Borodins Oper „Fürst Igor“.

Das in großer Besetzung aufspielende Aachener Sinfonieorchester unter Leitung von Karl Shymanovitz brachte die funkelnde Brillanz und das atmosphärische Kolorit der Werke eindrucksvoll zum Klingen. Auch das Ambiente stimmte: Palmen und Kakteen auf der Bühne zauberten ein südliches Ambiente, Lisa Klingenberg trat in orientalischem Outfit mit einem Kamelkopf auf, setzte sich vor das Orchester und beließ es weitgehend bei dem Vortrag der klug zusammengestellten Geschichten um die Prinzessin Scheherezade, Sindbad, den Seefahrer und anderen Helden der schönen Märchensammlung. Angesichts der Qualität der Texte und der Musik reichte das vollkommen aus. Eine aktive Einbindung der Kinder wurde auf eine kleine Mitmachaktion beschränkt. Mehr war in diesem Rahmen auch nicht nötig.

Ein besonderes Highlight wurde für den Schluss aufgehoben. Die sechsjährige Helene Pflaum konnte sich über die Uraufführung ihres Orchesterstücks „Klingklang“ freuen, das das Aachener Orchester in sinfonischer Pracht aus der Taufe hob. Helene Pflaum ist die Gewinnerin des Kompositionswettbewerbs „Mathis in der Musikwerkstatt“, bei der sie eine Zeichnung mit grafischen Symbolen versah, die das Orchester minuziös umsetzte. Das Ergebnis war ein reizvolles Klanggemälde mit raffinierten Klangmischungen, -flächen und -strukturen in modernem Gewande.

Viel Beifall für Helene Pflaum und alle Mitstreiter.