Aachen: Orchester-Nachwuchs beweist Können und Frische

Aachen: Orchester-Nachwuchs beweist Können und Frische

Auch das diesjährige Kammerkonzert der Praktikanten der Aachener Orchesterakademie bekräftigte die erfreuliche Tatsache, dass es an hoch begabtem Nachwuchs für unsere Sinfonieorchester nicht mangelt.

Nachdenklich stimmt lediglich, dass die Orchesterlandschaft zunehmend von Schließungen ganzer Orchester, Fusionen und Stellenkürzungen ausgedünnt zu werden droht und die Berufsaussichten solcher Talente enger werden. Gleichwohl: Sowohl dem Niveau als auch der ansteckenden Frische, mit der zehn blutjunge Kräfte, die derzeit im Sinfonieorchester Aachen erste Erfahrungen im Alltag eines Orchesters sammeln, waren solche Bedenken nicht anzuhören.

Auffallend, wenn auch nicht untypisch die weibliche Dominanz unter den Musikern, von denen man in dem dürftigen Programmblättchen gern etwas mehr erfahren hätte. Eindrucksvoll bereits der Einstand mit Haydns „Sonnenaufgang“-Quartett op. 76/4\. Fein ausgearbeitet im Detail, erstaunlich geschlossen im Zusammenspiel, vorzüglich intonierend auch in extremen Lagen, sorgfältig phrasierend und das alles garniert mit dem beherzten Zugriff jugendlicher Hoffnungsträger: Hier waren beste Voraussetzungen für eine mehr als hörenswerte Haydn-Interpretation gegeben.

Was Temperament und virtuose Fertigkeiten angeht, setzten anschließend die Kontrabassistin Lilia Kirkov und der Pianist Luis Andres Castellanos Jimenez mit Astor Piazzollas Tango „Kicho“ noch eins drauf. Taktgefühl, gute technische Grundlagen und Gespür für das spezifische Kolorit des schwierigen Werks garantierten einen weiteren Höhepunkt des kurzweiligen Programms.

Einen besonders originellen Akzent setzte Emi Shimada mit vier pfiffigen, spieltechnisch höchst anspruchsvollen Miniaturen für kleine Trommel solo, „Crossover“ des österreichischen Percussionisten Wolfgang Reifeneder.

Nach der Pause stand mit Jean Sibelius‘ bedeutendstem Kammermusikwerk, dem Streichquartett in d-Moll op. 56, „Voces Intimae“, der stilistisch anspruchsvollste Beitrag des Konzerts auf dem Programm. Ein introvertiertes, von innerer Unruhe getragenes Werk, nicht leicht zu (er)fassen, verdient die Interpretation hohe Anerkennung.

Viel war von der inneren Spannung zu spüren. Der begeisterte Beifall des Publikums im Spiegelfoyer war mehr als berechtigt.

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