Sittard: Opera Zuid in Sittard: Madame Butterfly stirbt im Reishagel

Sittard: Opera Zuid in Sittard: Madame Butterfly stirbt im Reishagel

Zum Schluss ein überwältigendes Bild: Unmengen von Reiskörnern prasseln auf Butterfly herab. Der ehemaligen Geisha, die drei Jahre unbeirrt in der Bucht von Nagasaki auf die Rückkehr ihres Geliebten, des amerikanischen Marineoffiziers Pinkerton, wartet, um dann doch nur zu erfahren, dass er längst mit einer anderen verheiratet ist, bleibt nur der Selbstmord.

Im Reishagel, den der belgische Regisseur Frank Van Laecke aus dem Bühnenhimmel einsetzen lässt, und dem sich diese Butterfly ekstatisch entgegenreckt, ist ihr nach japanischem Ritual ausgeführter Freitod beides: Erlösung einer Frau, die alles für ihre Liebe gab, zuletzt sich selbst - und Rückkehr zu ihren kulturellen Wurzeln.

Falsche Sentimentalitäten, die Puccinis Oper oft vorgeworfen werden, lässt die Aufführung der Maastrichter Opera Zuid nicht aufkommen. Kein Platz für schwülstigen Exotismus und andere Geschmacksverirrungen, dafür klare Analyse des Andersartigen. Auf erhöhter Einheitsbühnenbild-Plattform, die an einen Futon oder eine Blüte denken lässt, wird der „clash of civilizations” klar fokussiert.

Adriano Grazianis Pinkerton, stimmlich ein verführerischer „tenore di grazia” aus dem Lehrbuch, gockelt lässig in aufgeknöpfter weißer Marineuniform und mit Whiskey-Glas in der Hand auf und ab, bevor er auf Tauchstation geht. Ihn umgeben japanische Feldarbeiter, die mühsam mit immer gleichen Bewegungen pantomimisch Reis (das inszenatorische Leitmotiv des Abend) ernten.

Kein Wunder, dass Pinkerton Wirkung auf Butterfly hinterlassen muss, die in einer Welt voller Pflichten und starrer Formen gefangen ist. Die koreanische Sopranistin Soojin Moon ist für die Besetzung der Titelpartie ein Glücksfall. Sängerisch entfaltet sie - wenn auch gelegentlich an ihre stimmlichen Grenzen stoßend - ein ungemein intensives, die verschiedensten Facetten prägnant ausdrückendes Rollen-Psychogramm.

Großartig besetzt auch der schnörkellos-gravitätische Bariton von Marcel van Dieren als Sharpless und Karin Strobos als Suzuki. Stefan Veselka, der kurzfristig für den erkrankten musikalischen Leiter der Produktion, Fabrice Bollon, eingesprungen war, gelingt Erstaunliches. Sein Dirigat lässt nichts Süßlich-Verweichlichtes zu, sondern entdeckt in der Oper das permanente Drama. Ein hochenergetisches Kraftwerk der Gefühle. Packendes Theater, das Puccinis „Madama Butterfly” von allen Kitsch-Klischees befreit und konsequent zum Kern der Handlung vordringt.

Termine in Belgien und in den Niederlanden

Weitere Aufführungen von Puccinis „Madama Butterfly”: 2. Juni, 19.30 Uhr, in Venlo (Karten: Tel. 0031/77/ 3207222); 7. Juni, 20 Uhr, in Hasselt (halb-szenisch; Karten: Tel. 0032/ 11/229933); 12. Juni, 19.30 Uhr in Valkenburg (halb-szenisch; Karten: Tel. 0031/436015044); 14. Juni, 20 Uhr, in Kerkrade (halb-szenisch; Karten: Tel. 0031/45/5716607) und 16. Juni, 20 Uhr, in Maastricht (Karten: Tel. 0031/4335055 55).

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