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Aachen: Ohne Skrupel zugegriffen

Aachen : Ohne Skrupel zugegriffen

Im Prozess um gewaschene Lösegeld-Millionen aus der Entführung von Jan Philipp Reemtsma hat die Staatsanwaltschaft vor dem Landgericht Aachen sechseinhalb Jahre Haft für den Aachener Bernd Dieter Kramer gefordert.

Staatsanwältin Jutta Breuer sieht den Freund des verurteilten Entführers Thomas Drach als überführt an, zwischen 1999 und dem Jahr 2000 in vier Fällen die Herkunft von über einer Million US-Dollar und sechs Millionen Schweizer Franken aus dem Entführungs-Fall verwischt zu haben.

Nach jahrelanger Strafhaft gerade entlassen, habe er sich zu den Taten hinreißen lassen - trotz des Wissens um die „menschenverachtende und widerwärtige Vortat”.

Unbeeindruckt vom Geständnis

So habe er keine Skrupel gezeigt, sich des „Blutgeldes” anzunehmen und sich ein neues Leben davon aufzubauen, sagte Breuer. Sie rechnete vor, dass Kramer 360.000 US-Dollar allein für sich ausgegeben habe. Unbeeindruckt von seinem umfassenden Geständnis warf sie ihm vor, zu spät auch die Tatbeteiligung seines Bruders sowie des Aachener Rechtsanwaltes Günter Stockhausen dargelegt zu haben.

„Die Taten sind verjährt. Da können wir nichts mehr dran machen”, bedauerte sie. Gehe es nach ihr, dann wird Bernd Dieter Kramer auch nicht geschont, wenn es um die Anrechnung seiner Zeit in einem brasilianischen Gefängnis geht.

Kramer, der zuletzt in Brasilien lebte und dort festgenommen worden war, hatte in der Auslieferungshaft eine blutige Gefangenenrevolte nur knapp überlebt und leidet nun aus Sachverständigensicht glaubhaft an einer posttraumatischen Belastungsstörung.

Jutta Breuer mag ihm für diese vierzehneinhalb Monate nur zwei Jahre von der Strafhaft erlassen. Verteidiger Andreas Fleuster hätte gerne mehr herausgeholt und Kramers Zeit in Auslieferungshaft im Verhältnis drei zu eins angerechnet. Für seinen Mandanten bat er ansonsten um eine angemessene Strafe, die nach seinem Dafürhalten idealerweise unter sechs Jahren liegen müsse.

Er betonte, Kramer sei vorbehaltlos aus der Deckung rausgekommen, um reinen Tisch zu machen, sei sogar schon seit 2001 zur Aufklärungshilfe bereit gewesen. Er habe keinen unmittelbaren Bezug zur Vortat gehabt, weshalb man ihm diesen Umstand nicht strafschärfend anlasten dürfe. Zudem lebe er seit sieben Jahren ganz ohne kriminelle Taten.

In seinem letzten Wort äußerte Bernd Dieter Kramer Reue und Einsicht. Wäre er nicht damals in Strafhaft gewesen, dann hätte er seinen Freund Thomas Drach von der Entführung des Millionärs Reemtsma abgehalten. Er selbst habe sich zu der Geldwäsche bereiterklärt, weil er Bares brauchte.

Als er das Geld von Drach bekommen habe, habe er sich verpflichtet gefühlt, seinerseits dem Freund zu helfen. Mittlerweile aber habe sich sein Leben verändert. „Ich habe von allem Abstand genommen. Es tut mir leid, was passiert ist.” Das Urteil wird die Kammer am 21. November verkünden.