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Aachen: „Ode an die Freude” bleibt ein Signal

Aachen : „Ode an die Freude” bleibt ein Signal

Im ausverkauften Europasaal des Eurogress ruft er dem Publikum das magische „Geheimwort” zu, das Friedrich Schillers „Ode” mit Ludwig van Beethovens kraftvolle Sinfonie Nr. 9 d-Moll op. 125 miteinander verknüpft.

Die „Freude am Leben auch im Zeichen des Todes” propagiert Walter Jens, prominenter Gast beim „Aachener Zwischenruf”, den das Theater Aachen mit seinem Sinfonieorchester unter Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch nun zum dritten Mal im Rahmen des Neujahskonzertes ertönen ließ.

Zuvor hatte Oberbürgermeister Jürgen Linden nicht nur Neujahrswünsche ausgesprochen, er erinnerte auch an die „schöne Utopie” die unter dem Motto „alle Menschen werden Brüder” zugleich Aufforderung zur Solidarität sei.

Praktischer Ausdruck: Eine Sammlung für die Opfer der Flutkatastrophe, die immerhin 5800 Euro ergibt. Walter Jens, Tübinger Literaturwissenschaftler und Schriftsteller fasziniert von Anfang an mit seiner geistreichen Reflexion, die Gehalt, Geschichte und Wirkung jener „Ode an die Freude” analysiert.

Zuvor jedoch ein Schmunzeln für die Gastgeber: „Man lud mich ein mit der Bemerkung, es hätte jemand abgesagt, ob ich nicht einspringen wolle”, erzählte Jens amüsiert.

„So einer herzbewegenden Einladung kann man einfach nicht widerstehen..” - ein Moralist mit Humor. Friedrich Schiller und seine „Ode an die Freude” - Jens setzt sie in Beziehung zur Entwicklung des jungen Genies, des Dichters, der schon 1784 eine Bilanz seines Daseins zieht „als Weltbürger, der keinem Fürsten dient”, der den „Verlust des Vaterlandes eingesteht”, um in der Welt als neuem Zuhause” zu leben.

„Hat ein Mensch je souveräner und kühner geschrieben?” so Jens. Die Tatsache, dass sich im Hinblick auf die problematische wirtschaftliche Situation des Dichter Gönner fanden, bestätigt ihm: „Freundschaft und Freunde sind Schlüsselworte. Gleichfalls der in Beethovenswerk mitgeteilte Versöhnungs- und Zuneigungsgedanke.”

Der in Originalversion mit innigster Euphorie und „verwegener Metamorphose” befrachtete Text, der auch den „süßen Schlaf im Leichentuch” nicht auslässt und von Schillers Gönner Christian Gottfried Körner ganz offen als „schlecht und bombastisch” kritisiert, hat sich gewandelt.

„Beethoven ergreift Schillers Partei, die konsequente Bearbeitung mit einer Kürzung von 108 auf 36 Verse”, sollte zur „genialen Lektorenarbeit” werden, erläutert Jens.

Die Ode auch als Lied der Freiheit und Befreiung - Walter Jens schlägt einen weiten Bogen bis hin zur aktuellen „Prophetie des Song of Joy” der international verstanden werde. Euphorischer Beifall.