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Köln: Ob Schokolade oder Popcorn: Süßwaren-Hersteller drängen in Bio-Markt

Köln : Ob Schokolade oder Popcorn: Süßwaren-Hersteller drängen in Bio-Markt

Ob Schokolade, Popcorn oder Fruchtgummi: Der Bio-Boom hat inzwischen fast alle Bereiche des Süßwarenmarktes erfasst. Derzeit liege der Anteil von Bio-Produkten im Süßwarenbereich bei etwa zwei Prozent, schätzt Uwe Lebens, stellvertretender Vorsitzender des Arbeitskreises Internationale Süßwaren-Messe (AISM).

„Aber in vier bis fünf Jahren könnte er 20 Prozent erreichen. Die Nachfrage steigt und wird noch weiter steigen.” Dieses Potenzial haben auch viele der 1700 Aussteller auf der bis zum Mittwoch dauernden Süßwarenmesse (ISM) in Köln erkannt.

Zahlreiche große und kleine Hersteller drängen in den Markt. Unternehmen wie Haribo, Mederer aus Fürth (Trolli-Gummibonbons) und Bahlsen werben mit der Produktion nach ökologischen Standards. Der Kölner Schokoladenfabrikant Stollwerck (Sarotti) hat seinen Umsatz mit Biotafeln 2007 im Vergleich zum Vorjahr nach eigenen Angaben mehr als verdoppelt.

Die Verbraucher wollten zunehmend wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen, berichtet der Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI), Karsten Keunecke. „Darum nehmen Bio-Produkte im Handel immer mehr Regalfläche ein - das gilt auch für Süßwaren.” Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) erwartet für den gesamten Biomarkt in diesem Jahr ein Umsatzwachstum von etwa 15 Prozent. 2007 hatte die Branche 4,6 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Nach Untersuchungen der Marktforscher ACNielsen wird fast jeder zweite Euro für Bioprodukte im Lebensmitteleinzelhandel ausgegeben. Mehr als die Hälfte der Verbraucher, die nie Bioprodukte kaufen, gaben als Grund dafür den höheren Preis an. Der Preisabstand zwischen Bio- und konventioneller Ware beträgt bei Süßgebäck oft 80 Prozent. Die Ursache liegt vor allem im knapperen Rohstoffangebot.

Ritter-Sport startet im April mit vier Sorten Bio-Schokolade. „Das ist für uns kein Modetrend, sondern eine Fortsetzung unserer Strategie”, sagt der Chef des schwäbischen Familienunternehmens, Alfred Ritter, der 1997 als Ökomanager des Jahres ausgezeichnet worden war. „Wir müssen generell weg von zu viel Chemie in der Landwirtschaft.”

Mehrere kleinere Hersteller sind noch dabei, ihre Chancen im Einzelhandel auszuloten. „Wir haben testweise Figuren aus Bio- Schokolade hergestellt, aber ob es sich lohnt, damit in Serie zu gehen, muss sich erst noch zeigen”, sagt Siegfried Helgert von der Confiserie Helgert in Altdorf bei Nürnberg. „Es müssen so viele Auflagen erfüllt werden, dass wir sehr große Abnehmer bräuchten.” Dies sei umso schwieriger, da dem Saisongeschäft mit Osterhasen und Weihnachtsmännern nur wenig Zeit im Jahr bleibe, um Kunden zu überzeugen.

Der französische Hersteller Vitagermine ist nach eigenen Angaben in den heimischen Supermärkten mit seinen Frucht-Smoothies bereits gut vertreten. „In Deutschland wollen wir in Supermärkte, die Bio- Produkte nach vorne pushen, das sind aus unserer Sicht vor allem selbstständige Lebensmittel-Einzelhändler”, sagt Sprecherin Andrea Plat.

Der deutsche Marktführer bei Bio-Tafelschokoladen setzt nicht allein auf ökologische Herstellung, sondern auch auf fairen Handel: Die Handelsorganisationen Transfair und Gepa konnten 2007 ihren Umsatz mit Süßigkeiten gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent auf 24 Millionen Euro steigern. Der Absatz erhöhte sich um 11 Prozent auf 2000 Tonnen.

„Zum ökologischen kommt bei uns der ethisch-soziale Aspekt hinzu”, sagt Vertriebsleiter Peter Bierhance. „Wie will man eine Tasse Kaffee genießen, wenn man weiß, dass der Kleinbauer sein Kind auf die Plantage statt in die Schule schicken muss?” Angesichts dessen seien viele Konsumenten gerne bereit, höhere Preise zu zahlen.