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Aachen: Nur etwas für Spezialisten: Die Wagner-Tuben in Bruckners Sinfonie Nr. 8 c-Moll

Aachen : Nur etwas für Spezialisten: Die Wagner-Tuben in Bruckners Sinfonie Nr. 8 c-Moll

Sie ist ein gewaltiges Werk, ein Stück Musikgeschichte, mit monumentalen Klangbildern: Anton Bruckners Sinfonie Nr. 8 c-Moll hat Aachens Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch ausgewählt, um eine neue Tradition zu prägen.

Am Pfingstmontag 2003 spielte das Sinfonieorchester unter seiner Leitung diese Komposition in der Aachener Kirche St. Nikolaus. Und auch in den nächsten Jahren wird hier der Pfingstmontag ein „Anton-Bruckner-Festtag” sein.

Nur 15 Euro

Zum 150-jährigen Bestehen des Orchesters erschien nun die Doppel-CD vom Konzert (Corviello Classics), die in allen Zweigstellen unserer Zeitung (15 Euro) zu haben ist. Hierbei wird der „normalen” CD für den CD-Player eine weitere CD mit Raumklangeffekt für den DVD-Player hinzugefügt.

Und beim Klang in dieser Sinfonie gibt es wirklich Besonderheiten.

William Melton, Hornist des Orchesters, kann eine Menge darüber erzählen. Er gehört zu den „Raritäten” unter den Musikern, denn neben seinem Horn beherrscht er zusätzlich die relativ selten gespielte „Wagner-Tuba”, ein speziell durch Richard Wagner entwickeltes Instrument auf Basis der klassischen Tuba, allerdings mit Horn-Mundstück, das zudem mit der linken Hand (wie ein Horn) gespielt wird.

Melton ist einer von höchstens 60 Wagner-Tubisten, die es in Deutschland gibt und die immer wieder auf Reisen sind, weil die Orchester sie rundum einander ausleihen - immer dort, wo man Wagner oder Bruckner klangecht interpretieren will. Das Sinfonieorchester Aachen „besitzt” neben Melton noch zwei weitere Spezialisten dieses Instruments - Léon Kockelkoren und Robin van Gemert.

Bei der Sinfonie Nr. 8 wurden die drei zudem von Robert Thistle, Mitglied des Gürzenich-Orchesters Köln, unterstützt. „Man hat diese Zusatzverpflichtung als Hornist im Vertrag”, erzählt Melton, der sich auch musikhistorisch mit seiner Wagner-Tuba beschäftigt hat. Warum es sie überhaupt gibt?

Es war das „Loch im Blech”, das Wagner nicht ruhen ließ, der klangliche „Graben” zwischen Hörnern und Tuben. „Wenn ein Komponist etwas Bedeutungsvolles zu sagen hat, wenn er signalisieren will, dass nun eine Botschaft vom Himmel kommt, dann werden die Wagner-Tuben eingesetzt”, beschreibt der Musiker den feierlichen Klang dieses Instrumentes, das zum ersten Mal bei der Premiere der Wagner-Oper „Das Rheingold” 1876 in Bayreuth erklang.

Hier signalisiert der Klang den Übergang von der Menschen- zur Göttersphäre.

Extra-Probe nötig

Kurz danach, in Wagners Todesjahr 1883, griff Anton Bruckner auf diese besonderen Klangfarben zurück. Seine 7. Sinfonie E-Dur, die das Aachener Orchester übrigens am Pfingstmontag 2004 aufführen wird, sieht im 2. Satz die Wagner-Tuben vor. „Eine Huldigung für Wagner, den Bruckner sehr verehrte, aber auch ein besonderes Gestaltungsmittel”, erklärt Melton.

In der vorliegenden Aufnahme der 8. Sinfonie c-Moll sind die Wagner-Tuben immer wieder solistisch als Quartett zu hören - am eindeutigsten im 3. Satz „Adagio”, wo eine Art „Orgelklang” mit großer Dichte und Feierlichkeit entsteht, und in der Fachliteratur schwärmt man sogar von der „Fülle und Rundung des Blechklangs”.

Für Melton und seine Kollegen ist der Einsatz eine angenehme Herausforderung. „Noch bevor sich das Orchester einspielt, müssen wir etwa eine Stunde proben, um eine gemeinsame Ausrichtung zu entwickeln.”

Ruhe, technisches Können und ein gutes Atemvolumen sind nötig, um vom Horn zur Wagner-Tuba zu wechseln - und das nicht selten in kürzester Zeit. Vorteil der Instrumentengattung: „Bei Bruckner, Schönberg oder Richard Strauss treffen wir uns immer wieder, es gibt einen richtigen Zirkel der Wagner-Tuben-Spieler, die sich alle kennen”, erzählt der Aachener Musiker.

Sein Instrument, das er sich vor 15 Jahren persönlich beim Hersteller ausgesucht hat, stammt übrigens von Hans Hoyer aus Markneukirchen in der ehemaligen DDR. „Es gibt nur acht Hersteller von Wagner-Tuben auf der ganzen Welt, sechs davon findet man in Deutschland.”

Kostprobe:
Bruckners "Achte", 1. Satz "Allegro Moderato: Die ersten 90 Sekunden.

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