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Erkelenz: Nur ein bisschen Mut für den guten Rat

Erkelenz : Nur ein bisschen Mut für den guten Rat

Es ist außen wie innen ein schönes Haus, in dem die „Katholische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche” in Erkelenz residiert. „Hier war vor uns ein Architekturbüro”, erzählt Ferdinand Wimmer, der die Erziehungsberatungsstelle der Caritas leitet.

Was den früheren Nutzern zur Eigenwerbung diente, kann ihm nur recht sein. So signalisiert das offene Rund des Eingangsbereichs einen freundlichen Empfang. Das ist wichtig, findet Wimmer. Sich bei fremden Menschen Rat in Familiensachen zu holen, dazu gehöre noch immer ein bisschen Mut. Vielleicht auf dem Land sogar noch mehr als in der Großstadt, weil hier jeder vom anderen viel mitbekommt, meint der Diplompsychologe.

Schulprobleme?

Wenn der Gang zur Beratung schon schwer fällt, dann sollten möglicht viele Hindernisse ausgeräumt sein. So ist das Beratungsangebot grundsätzlich kostenlos. Eltern, Kinder und Jugendliche dürfen mit jedem Problem vorstellig werden. „Bei uns wird niemand abgewiesen”, versichert Wimmer mit Nachdruck. „Und wir unterliegen der Verschwiegenheitspflicht. Was uns erzählt wird, erfährt niemand.”

Es sei denn, die Klienten würden es ausdrücklich erlauben. Wie die Eltern von Kevin. Sie kamen zur Beratung, weil sie mit dem Elfjährigen nicht mehr fertig wurden. Unter anderem berichteten sie, dass Kevin sich in letzter Zeit morgens weigere in die Schule zu gehen. Ob dort die Wurzel des Problems liegt? Die Eltern entbanden die Beraterin von der Schweigepflicht und erlaubten ihr ein klärendes Gespräch mit Kevins Klassenlehrer zu führen.

Vertrauen ist das „A und O”

Vertrauen zwischen Ratsuchenden und Beratern ist ohnehin das „A und O” einer erfolgreichen Zusammenarbeit. „Nach einem Erstgespräch mit mir, einem Kollegen oder einer Kollegin beraten wir gemeinsam im Team, was die richtige Hilfe für diese Familie wäre”, erklärt Wimmer. „Arbeitet man besser mit der ganzen Familie oder alleine mit dem Kind?” Aber die Betreuer machen nur Angebote. Wimmer: „Keinesfalls legen wir Wege und Ziele fest. Wir sehen Beratung als Prozess, an dem alle Beteiligten mitwirken.”

Das Erkelenzer Team bietet eine Vielzahl von Hilfsmöglichkeiten und therapeutischen Verfahren an. Es reicht von individualpsychologischer Einzelberatung über Kunst- und Spieltherapie bis zur Paar und Familientherapie.

Jüngst ins Repertoir aufgenommen wurde die Musiktherapie. „In der Musik lassen sich gut Gefühlesqualitäten ausdrücken”, sagt Simone Sulzbach. Die Heilpädagogin leitet das Kind (beziehungsweise den Jugendlichen) an, mit verschiedenen Schlaginstrumenten zu experimentieren. Im spielerischen Umgang mit Trommel, Xylophon oder Cajon entwickelt sich oft ein musikalisches Zwiegespräch, bei dem die Therapeutin behutsam auf das eingeht, was das Kind vorgibt. Das kann zum Beispiel ein fröhlicher Lauf auf dem Xylophon sein, ein zaghaftes Tippen auf den Bongos oder auch ein aggressiver Trommelwirbel.

„Musiktherapie ist besonders für Menschen geeignet, die eher dazu neigen rational zu sein und keinen Zugang zu ihren Gefühlen haben.” Neben der direkten Unterstützung Rat suchender Familien erwartet der Kreis Heinsberg als Auftraggeber der Erkelenzer Beratungsstelle auch dessen Engagement in der Vorbeugung.

Sexuelle Gewalt

Eine Vielzahl von Angeboten soll helfen, bevor es zu ernsthaften Krisen kommt: Das Zeugnistelefon bietet beunruhigten Schülerinnen und Schülern wie deren Eltern schnelle Unterstützung. Auf Elternabenden zu Themen wie „Vom Sinn des Spielens”, „Kinder und Konsum”, oder „Kinderängste” erhalten Mütter und Väter Unterstützung bei der Erziehung.

Einen besonderen Schwerpunkt bildet das Thema „Sexuelle Gewalt”. Durch Gruppenarbeit mit Kindern, Informationsabende für Eltern und Fortbildungen für Erzieherinnen und Lehrerinnen will das Erkelenzer Beraterteam helfen, sexuellem Missbrauch vorzubeugen. Auch diese Veranstaltungen sind kostenlos.