1. Kultur

"NRW besser vermarkten"

"NRW besser vermarkten"

Moskau (an-o/abt) - Professor Klaus Henning, Leiter des Zentrums für Lern- und Wissenschaftsmanagement, gehörte zur kleinen Crew der RWTH in Moskau. Wir fragten nach seinen Eindrücken.

Nachrichten: Haben sich die Wissenschaftstage in Moskau für NRW gelohnt?
Henning: Die Veranstaltung war politisch gesehen sicher ein großer Erfolg. NRW passt strukturell ausgezeichnet zu Moskau, das mit seinen Randgebieten etwa die gleiche Einwohnerzahl hat. Es ist auch höchste Zeit, dass der "Exportartikel NRW" besser in der Welt vermarktet wird.

Nachrichten: Und für Ihr Institut?
Henning: Wir konnten unsere EU Aktivitäten auf dem Gebiet der Verkehrslogistik vorstellen. Ein europäisches Industriekonsortium hat unter unserer Leitung einen neuen Sattelanhänger und einen neuen Güterwagen entwickelt. Damit könnte in den nächsten zehn Jahren der Anteil des Gütertransports auf der Schiene um 50 Prozent gesteigert werden und die europäischen Länder könnten drei Milliarden öffentliche Ausgaben einsparen. Diese Botschaft ist angekommen, nicht nur beim russischen Transportminister und den Verantwortlichen der Moskauer Universität für Eisenbahnwesen, sondern auch bei den Ministern und Abgeordneten aus NRW.

Nachrichten: Sahen Sie die RWTH genügend vertreten?
Henning: Natürlich kennt jeder die RWTH Aachen. Doch die Vertreter der Landesregierung haben in den meisten Reden so getan, als bestehe NRW aus dem Ruhrgebiet und dessen Hochschulen. Und dass in dem einführenden Werbefilm, der vor 3000 Personen gezeigt wurde, kein einziges Mal die RWTH vorkam, ist schon bemerkenswert.

Nachrichten: Was lief organisatorisch schief?
Henning: Vor Ort wurde das Mögliche getan. Doch die Abstimmung zwischen Staatskanzlei, Wissenschafts- und Verkehrsministerium war schlecht. Das fing damit an, dass wir bei der Vorbereitung innerhalb von 48 Stunden plötzlich eine russische Übersetzung liefern sollten. Völlig unsinnig war, dass der Wissenschaftsteil und der Wirtschaftsteil an zwei verschieden Standorten, 20 Kilometer auseinander, abgehalten wurde und dass das untereinander nicht abgestimmt war.

Nachrichten: Aber Sie haben doch etwas gewonnen?
Henning: Ja, Moskau ist eine faszinierende Stadt im Aufbruch. Die junge Generation bricht mit Macht auf und braucht unsere Unterstützung. Noch sitzen viele mit alten Verhaltensweisen auf Schlüsselpositionen. Das wird sich aber in den nächsten Jahren massiv ändern.