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Berlin: Nofretetes Geheimnis: Die schöne Königin aus Ägypten hat Fältchen

Berlin : Nofretetes Geheimnis: Die schöne Königin aus Ägypten hat Fältchen

Nofretete hatte keine Angst vor Fältchen: Wissenschaftler des Ägyptischen Museums Berlin haben der Büste der sagenumwobenen Königin nach mehr als 3000 Jahren ein neues Geheimnis entlockt. Bei einer Computertomographie der berühmten Plastik an der Berliner Charité entdeckten sie über dem Kalksteinrohling vier aufmodellierte Schichten Gips.

„Wir wissen erst jetzt, dass der Bildhauer Nofretete nachträglich zarte Falten in die Gesichtspartie gearbeitet hat, insbesondere rund um die Augen”, sagt Museumsdirektor Dietrich Wildung. „Dadurch bekommt die Darstellung einen hohen Grad an Individualität und Ausdrucksstärke.”

Wildung weiß bereits seit einem Jahr um Nofretetes kleines Geheimnis. Nach sorgfältiger Abwägung hatten Wissenschaftler im vergangenen Juli ihre Zustimmung zur „Durchleuchtung” der fragilen, rund 50 Zentimeter hohen Büste gegeben - in Zusammenarbeit mit Filmteams von National Geographic und dem ZDF.

„Im Vordergrund stand der Erkenntnisgewinn”, betont der Ägyptologe. Vermutet hatten die Wissenschaftler schon länger, dass Nofretetes Abbild nicht allein aus einem Kalksteinrohling besteht, sondern eine Art „zweites Gesicht” haben könnte. Nun sind sie sicher, dass die Büste vom Künstler mehrmals nachbearbeitet wurde.

„Dabei ging es nicht um eine idealisierte Darstellung, sondern um Realismus”, erläutert Wildung. Spuren des Alterns waren in der bildlichen Darstellung zu Nofretetes Zeiten wohl kein Tabu, sondern gewollt. Auch wenn es heute im Zeitalter der Schönheits-Operationen und des Liftens fast schon fremd klingen mag: Fältchen stehen auch für Lebenserfahrung.

Die schöne Königin wird im Museum als Konsequenz nun anders angestrahlt. „Wir betonen mit dem Licht die Augenpartie und zeigen die Spuren eines erfahrungsreichen Lebens und des Alterns”, sagt der Museumsdirektor.

Königin Nofretete gilt als eine der schönsten Frauen der Welt. Sie war die Gemahlin des ägyptischen Pharaos Echnaton, der um 1350 vor Christus regierte. „Die Schöne gibt uns noch viele Geheimnisse auf”, sagt Wildung. So wissen die Wissenschaftler nicht, ob sie Ägypterin war oder aus Vorderasien stammte.

„Wir wissen auch nicht, in welchem Alter sie geheiratet hat und ob sie ihren Mann überlebte.” Es bleibt ein Rätsel, wie alt Nofretete gewesen sein mag, als Echnatons Bildhauer Thutmosis ihr Antlitz in Kalkstein und Gips verewigte.

Der deutsche Archäologe Ludwig Borchhardt hatte die Büste 1912 bei Grabungen in Ägypten entdeckt. Sie wurde dem deutschen Grabungsteam zugesprochen und nach Deutschland verschifft. Dort stellte sie der Grabungsfinanzier James Simon erst einmal in seine Wohnung.

1920 schenkte er die Büste dem preußischen Staat, seit 1924 ist sie an verschiedenen Standorten ausgestellt. Zur Zeit wartet sie im Alten Museum auf ihren Umzug in das dann restaurierte Neue Museum im Jahr 2009. Seit fast 100 Jahren gibt es um das Kunstwerk aber auch Streit. Ägypten bemüht sich immer wieder um eine Rückkehr Nofretetes.

Museumsdirektor Wildung beobachtet die Besucher der Sammlung aus seinem benachbarten Zimmer gern beim Betrachten der Schönheit aus Ägypten. „Das ist nicht einfach ein schönes Gesichtchen”, sagt er. „Die Leute sind sehr still und richtig ergriffen von diesem Kunstwerk.” Ein Film über Nofretete im Computertomographen ist an diesem Sonntagabend (19.30 Uhr) im ZDF zu sehen.