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Köln: Nicht immer nett, aber verführerisch: Suzanne Vega in Köln

Köln : Nicht immer nett, aber verführerisch: Suzanne Vega in Köln

„Ich habe mich nie wirklich als Musikerin verstanden, viel eher als Dichterin”, hat Suzanne Vega einmal über sich gesagt. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Die 48-Jährige New Yorkerin ist eine begnadete Erzählerin.

Kein Wunder also, dass bei ihrem Konzert am Mittwochabend in der Kölner Live Music Hall die Wortbeiträge einen breiteren Raum als sonst üblich einnehmen. Zu jedem Song gibt es eine Ansage, in der erklärt wird, von was das Stück handelt, wann es entstanden ist und wodurch es inspiriert wurde. Es ist ein ruhiger, im positiven Sinne besinnlicher Abend.

Sanftes Timbre

Rund 500 Fans genießen ihn so andächtig wie einen besonders edlen Wein. Die meisten von ihnen haben ihren 40. Geburtstag bereits gefeiert, ihr Alter entspricht im Durchschnitt dem der Künstlerin. Auch wenn Vega singt - immer noch mit diesem herrlich klaren, sanften Silber-Timbre, das sie einst, Mitte der 80er Jahre, populär machte - erzählt sie Stories.

Im Mittelpunkt ihrer Deutschland-Tour, die sie durch vier Städte führt, steht das neue Album „Beauty & Crime”, das Anfang Juni bei Blue Note herauskam. Es ist ein Konzept-Album, in dessen Mittelpunkt New York steht. Vegas Geschichten aus der Großstadt handeln von Paaren, deren Ehe ein beständiger Kampf ist („Frank & Ava”), von persönlichen Begegnungen und Gesprächen („Zephyr & I”) oder von den Erinnerungen, die die Frau eines Polizisten, der am Ground Zero eingesetzt war, bis heute nicht loslassen („Angel´s Doorway”).

New York selbst wird von Vega personifiziert: „New York is a woman”. Eine Frau, die „nicht immer nett ist”, wie Vega sagt, die „zu spät aufsteht, zu viel trinkt”, aber dennoch ungemein verführerisch ist, in ihrer Mischung aus Schönheit und Verbrechen - „Beauty & Crime”.

Den Rahmen für dieses mit Zugaben knapp anderthalbstündige Konzert bildet „Tom´s diner” von „Solitude Standing” (1987). Am Anfang in der A-cappella-Version, am Ende in der prallen Fassung von 1990, die bombastisch-sphärisch ihrem Höhepunkt zusteuert. Das ist der lauteste Moment an einem ansonsten eher leisen Abend.

Begleitet von einer klassischen Bandbesetzung mit Bass, Gitarre, Schlagzeug, Keyboard und, zusätzlich, Violine stellt Suzanne Vega nicht nur ihre neuen Stücke vor, sondern spielt auch viele alte Songs. Ihr Hit „Marlene on the wall” folgt gleich, ganz unprätentiös und locker, an zweiter Stelle. „Caramel” beschwört noch einmal voller Sehnsucht den Geschmack von Karamell und den Duft von Zimt, und mit „In Liverpool” erzählt Vega von der ersten Romanze, die, natürlich, kein Happyend hat.

Einer der Höhepunkte ist „Blood Makes Noise” mit einem ganz wunderbaren Mike Visceglia am Bass, der den sich steigernden Kreislauf des Blutes Tropfen für Tropfen in pochende Akkorde umsetzt. Für vier Zugaben kommt Vega dann noch einmal zurück auf die Bühne. Das ist, nur von ihr selbst an der Gitarre begleitet, fast wie ein kleines Konzert im Konzert.