Aachen: Neues Album von Reinhard Mey: Manfred Leuchter hat es wieder produziert

Aachen: Neues Album von Reinhard Mey: Manfred Leuchter hat es wieder produziert

Wenn Manfred Leuchter über Reinhard Mey spricht, dann lobt er nicht allein dessen künstlerische Kraft, seinen Ideenreichtum und das Spektrum seiner Themen, sondern auch die stille Disziplin. Seit 30 Jahren kennen und schätzen sich die beiden.

Der Aachener Akkordeonist Leuchter ist Meys langjähriger Produzent, schreibt die Arrangements, sucht die passenden Musiker aus und sorgt dafür, dass im Berliner Studio aus Poesie und Melodien eine CD wird.

Wie das klingt, kann man auf „Mr. Lee“ erlebet, dem 27. Studio-Album des 73-jährigen Liedermachers, die seit Freitag auf dem Markt ist, fast genau 50 Jahre nach „Ich wollte wie Orpheus singen“. Mit 15 Liedern, davon zwei Cover-Songs: „Zeit zu leben“, eine Hommage an Klaus Hoffmann, und „Lavenders‘s Blues“ ein englisches Wiegenlied aus dem 17. Jahrhundert. Bei beiden Stücken wird Mey von Tochter Victoria-Luise begleitet.

„Die Arbeit mit Reinhard Mey ist sehr unspektakulär“, sagt Leuchter lächelnd auf die Frage, ob ihn andere um den Kontakt beneiden. „Er sorgt für die Kompositionen und die Texte. Das ist die Basis, mit der ich arbeite.“ In der Rohfassung begleitet sich der Liedermacher mit der Gitarre — so kennt man ihn von seinen Bühnenauftritten. Längst hat der Perfektionsgrad bei Musikproduktionen zugenommen. Die Ansprüche an die Mitwirkenden sind gestiegen.

„Früher durfte mal ein Schlagzeug klappern, heute ist das unmöglich“, erinnert sich Leuchter. Seine wichtigste Aufgabe sieht er darin, die typische Stilistik Meys zu erhalten, andererseits aber auch für eine zeitgemäße Umsetzung zu sorgen. Mey ist ein disziplinierter Arbeiter, wenn es um seine CD-Produktionen geht — gut vorbereitet, pünktlich im Studio, sachlich. „Wir können uns mit einem kurzen Blick verständigen, da wird gar nicht viel gesprochen“, erzählt Leuchter.

Jede CD ist für ihn ein Puzzle, das es in Form zu bringen gilt. Seine erste Arbeit, wenn Mey ihm die Rohfassung zukommen lässt: Ton für Ton, Wort für Wort werden Kompositionen und Texte vom Experten „seziert“, der am E-Piano zunächst mit Tonarten und Tempi experimentiert, das aufspürt, was ein Song braucht — ein Saxofon? Geigen? Den breiten Klang oder eine eher introvertierte Schlichtheit?

Dann überlegt Leuchter, wer aus dem Kreis seiner bevorzugten Musikerkollegen passen könnte. Für „Mr. Lee“ hat er einen der zurzeit besten Folk-Jazz-Gitarristen engagiert — Ian Melrose, Wahl-Berliner mit schottischer Abstammung. Mit dabei ist auch der niederländische Bassist Antoine Pütz und der Meistergitarrist Csaba Székely, der in Aachen das Gitarrenensemble der Musikschule leitet.

Die neue CD spiegelt Meys Affinität zum südostasiatischen Raum. „Ich habe bei diesen Songs das Gefühl, seine Gedanken bewegen sich in zwei Welten, einer realen und einer geträumten. Das ist sehr reizvoll“, sagt Leuchter. „Reinhard ist durch Laos und Kambodscha gereist, solche Eindrücke hinterlassen Spuren.“ Für asiatisches Flair auf der CD sorgte er unter anderem durch den Einsatz der japanischen Schamisen, einem dreisaitigen Lauteninstrument aus dem 16. Jahrhundert, das bekannt für seine gute Gesangsbegleitung ist.

Hat sich Mey verändert? Ruhiger ist er geworden, nachdenklicher, noch gereifter, findet sein Produzent, dem das gefällt. „Kein schwaches Wort, kein oberflächlicher Gedanke, das ist Lyrik auf hohem Niveau“, betont Leuchter. Sein Lieblingsstück bei exakt 72 Minuten Musik ist „Im Haus am Meer“, eine in dunklen Farben gehaltenes mystisches Stück. 2017/18 geht Mey mit „Mr. Lee“ auf Tour durch Deutschland und Österreich. Im September soll der Vorverkauf anlaufen.

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