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Köln: Neuer Kunstmessen-Direktor gibt Debüt auf Art Cologne

Köln : Neuer Kunstmessen-Direktor gibt Debüt auf Art Cologne

Natürlich ist der neue Art-Cologne-Direktor Daniel Hug ein Optimist - was bleibt ihm auch anderes übrig. Am Mittwoch beginnt die 43. Ausgabe der internationalen Kölner Kunstmesse, die erste unter der Verantwortung des 41-jährigen Kunstexperten aus Los Angeles. Und der Druck auf ihn ist erheblich.

Die globale Wirtschaftskrise hat den bislang ungebremsten Preisanstieg für moderne Kunst vorerst gestoppt. Dazu kämpft die weltweit älteste Kunstmesse seit Jahren mit hausgemachten Problemen, nicht zuletzt mit dem Mangel an inhaltlichem Profil. Das einstige Prestigeobjekt der Koelnmesse ist zum Sorgenkind geworden.

Auch Daniel Hug weiß: Die Zeiten, in denen man in Köln den Takt für den internationalen Kunstmarkt vorgab, sind längst vorbei. Andere internationale Kunstmessen hätten Köln den Rang abgelaufen, ätzen die Kritiker. Die Verlegung des Messe-Termins vom Herbst ins Frühjahr hat vor zwei Jahren nicht die erhoffte Trendwende gebracht. Im Gegenteil, 2008 kamen noch mal 5000 Besucher weniger als im Vorjahr, in dem immerhin 60.000 Interessenten durch die Messehallen flanierten.

Dennoch macht Hug den 188 Galeristen Mut, die bis kommenden Sonntag, 26. April, in Köln ihre Künstler vorstellen. Die Bankenkrise hat die Zocker und Spekulanten vom Kunstmarkt gefegt, wer jetzt in Kunst investiere, setzt auf Nachhaltigkeit, sagt der gebürtige Schweizer jedem, der es hören will. Zum Wiedererstarken der Art Cologne baut Hug auf starke Netzwerke, er setzt auf Kooperation mit den Museen der Region und verweist auf erste Erfolge. Etliche Galerien, die der Art Cologne vor Jahren den Rücken gekehrt hätten, seien in diesem Jahr erstmals wieder dabei, verkündete er stolz. Dazu konnten auch einige junge Galerien gewonnen werden.

Der Enkel des ungarischen Konstruktivisten und Bauhauskünstlers László Moholy-Nagy geht seine Mission in Köln ambitioniert an. An seinem Ziel hält er weiter fest: Er möchte die Messe mit Hilfe eines neuen internationalen Beirats zurück in die „Top Five” führen - denn dort gehöre sie für ihn hin.

Kritiker der Kölner Schau bemühen hingegen gerne das Kunstmarkt-Magazin „Artinvestor”, das einmal jährlich eine Liste der angeblich 200 wichtigsten Galerien der Welt veröffentlicht. Von den aufgelisteten Kandidaten des Vorjahres sind 2009 gerade 23 auf der Kölner Messe vertreten, während Konkurrenzveranstaltungen mit einem deutlich höheren Anteil an Premium-Galerien punkten können. Je weniger Top-Galerien, desto weniger Top-Sammler, die ihre trotz Finanzkrise immer noch recht gut gefüllten Schatullen dann eben an anderen Messe-Standorten öffnen.

Und dann ist ja noch das alljährliche Kölner Dramolett um den Zulassungsausschuss: Das Gremium aus neun Kunsthändlern bestimmt, welche Galerie sich in Köln präsentieren darf. Und die Bedeutung der Art Cologne zeigt sich nicht zuletzt auch anhand der Wut der etwa 200 Bewerber, die nicht zu ihr eingeladen wurden.

In diesem Jahr war es besonders pikant, denn durch eine gezielte Indiskretion wurde bekannt, dass die Galerien eines langjährigen Art-Cologne-Beiratsmitglieds nicht zugelassen wurden. Dort fühlte man sich aus nach vollziehbaren Gründen brüskiert. Für genügend Knatsch zum Messe-Auftakt ist also gesorgt.