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Krefeld: Neue Synagoge in Krefeld mit Gebet und Festakt feierlich eröffnet

Krefeld : Neue Synagoge in Krefeld mit Gebet und Festakt feierlich eröffnet

70 Jahre nach der Zerstörung durch die Nationalsozialisten hat Krefeld wieder eine Synagoge. Mit einem Festakt ist das neue jüdische Bethaus am Sonntag feierlich eröffnet worden. Die neue Synagoge mache deutlich, dass jüdisches Leben wieder seinen Platz im Lande gefunden habe, betonte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU).

„Dass wir das erleben dürfen, dafür können wir dankbar sein, unendlich dankbar”, sagte er.

Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Krefelds, Johann Schwarz, beklagte, dass kein deutscher Politiker der Nachkriegszeit die verjagten Juden je mit Nachdruck um ihre Rückkehr gebeten habe.

Jüdische Religiosität und Kultur überlebe in Deutschland heutzutage nur durch die Zuwanderung aus dem ehemaligen Ostblock.

Die Synagoge in der Wiedstraße mit ihren knapp 300 Plätzen sowie das angeschlossene Gemeindezentrum sind durch den rund 12 Millionen Euro teuren Umbau eines Gewerbebaus entstanden. Damit steht in Krefeld die 20. Synagoge in Nordrhein-Westfalen, wo 32.000 Juden leben.

Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, betonte, jede neue Synagoge „steht für das, was wir verloren haben und für das, war wir aufbauen wollen”.

Es werde deutlich, „dass Hitler nicht gesiegt hat”. Juden seien in der Mitte der deutschen Gesellschaft angekommen und würden sich diesen Platz nie mehr streitig machen lassen, betonte Knobloch, die zum entschiedenen Engagement gegen jede Form von Rechtsradikalismus aufrief.

Krefelds Oberbürgermeister Gregor Kathstede (CDU) nannte es „ein unverdientes Zeugnis des Vertrauens”, dass auch ehemalige Krefelder Juden als Holocaust-Überlebende zur Feier angereist waren.

Zu Beginn der Synagogen-Einweihung stellten Rabbiner Yitzhak Mendel Wagner und Gemeindemitglieder vier Thora-Rollen in den Schrein und übergaben damit das Bethaus seiner Bestimmung.

Der 28-Jährige ist einer der jüngsten Rabbiner Deutschlands und der erste Krefelder Rabbiner seit dem Nazi-Pogrom von 1938. Seine Gemeinde reicht bis an den Niederrhein und hat derzeit rund 1100 Mitglieder.

Schlichter Schmuck des hellen Synagogenraumes ist vor allem der Thora-Schrein, der von zwei großen Granitstelen als Symbole der Gesetzestafeln gehalten wird.

Die Außenfassade schmückt ein wiederhergestelltes dreiteiliges Glasfenster mit Davidsternen, das der bedeutende niederländische Künstler Jan Thorn-Prikker 1928 für die später von den Nazis zerstörte Synagoge geschaffen hat.

Auch die hebräischen und deutschen Psalmworte „Herr, ich liebe Deines Hauses Stätte und bin Ort, wo Deine Herrlichkeit thront” wurden als Fassadeninschrift von der 1938 niedergebrannten Synagoge übernommen.