Aachen: Neue Konzertreihe des Sinfonieorchesters kommt bestens an

Aachen : Neue Konzertreihe des Sinfonieorchesters kommt bestens an

Noch eine neue Konzertreihe des Aachener Sinfonieorchesters, die gleich im ersten Anlauf auf große Begeisterung gestoßen ist.

„Klassik Lounge“ verbindet populäre, aber anspruchsvolle Programme mit der Möglichkeit, im Ballsaal des Alten Kurhauses an gemütlichen Tischen einen gepflegten Wein zu genießen.

Ein Getränk ist im Preis inbegriffen, wobei diesmal noch der Großteil der Besucher im randvoll gefüllten Ballsaal in normalen Sitzreihen Platz nehmen musste. Der Stimmung und Zustimmung des gut gelaunten Publikums tat das keinen Abbruch. Erst recht nicht dem Niveau des gebotenen Programms, das sich mit dem beliebten Thema der „vier Jahreszeiten“ beschäftigte — und zwar unter dem Motto „Tango meets Barock“.

Vivaldis „Quattro Stagione“ dürfen da natürlich nicht fehlen, die ergänzt wurden durch Astor Piazzollas „Las cuatro estaciones portenãs“ (Die vier Jahreszeiten in Buenos Aires). Justus Thorau und 19 Mitglieder des Orchesters gingen beide Werkzyklen beherzt an, wobei mit der jungen Geigerin Liya Petrova für Vivaldi eine Solistin gewonnen werden konnte, die mit ihrem blitzsauberen und putzmunteren Vortrag den Schwung der Interpretation noch verstärkte, ohne es in den langsamen Sätzen an klanglicher Süße fehlen zu lassen.

Trotz der Rasanz, mit der die Geigerin und ihre Mitstreiter durch die „Jahreszeiten“ düsten, ging kein Ton verloren, verlor keine Phrase ihre melodische Linie, hinterließ keine Passage den Eindruck verhetzter Überdrehtheit. Eine frische, vitale Interpretation des Repertoire-Knüllers, die keinen Wunsch offenließ.

Fortsetzung am 4. Mai

Ein Auftrag für eine Filmmusik war der Anlass für den argentinischen Tango-Guru Piazzolla, sich mit dem „Sommer“ zu beschäftigen. Der Erfolg des Einzelstücks ermunterte ihn zur Komplettierung des vierteiligen Zyklus. Dass Piazzolla Vivaldis Opus kannte, verleugnet das knapp gebaute Werk nicht, doch fügte er einige Zitate so raffiniert ein, dass sie die eigene Handschrift des Komponisten nicht verfälschten.

Und die ist von einer rhythmischen Strenge und emotionalen Intensität geprägt, die daran erinnert, dass der argentinische Tango auch in der kultivierten Ausformung Piazzollas nichts mit kuscheligen Klangkulissen für die Tanzstunde zu tun hat, sondern aus derberem Holz geschnitzt ist. Und diese Qualität spielte Konzertmeister Marijn Simons konsequent aus. Mit kraftvollem Ton ohne Rücksicht auf hochpolierte Tonbildung und mit energievollem Druck, den auch das Orchester in harmonischem Einverständnis aufgriff.

Begeisterter Beifall für ein ausgesprochen kurzweiliges und trotz der engen thematischen Verzahnung abwechslungsreiches Konzert einer neuen Reihe, die am 4. Mai mit Bläserserenaden fortgesetzt wird.

Mehr von Aachener Zeitung