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Aachen: Neue Horizonte der Fachhochschule Aachen

Aachen : Neue Horizonte der Fachhochschule Aachen

„Meilenstein”, „neue Ära”, „historische Zäsur”: Große Worte aus Rektoren- und Ministermund füllten am Freitagmorgen den Senatssitzungssaal, bevor man um 10.30 Uhr zu freundlichen Machtübernahme schritt.

Seither hat auch die Fachhochschule Aachen einen Hochschulrat, der zwar nicht alles, aber doch einiges zu sagen hat, was bisher Senat und Rektorat miteinander ausmachen konnten. Oberaufsicht und Impulsgeber zugleich, selber keiner Kontrolle unterworfen, kommt in diesem Gremium eine bisher nicht bekannte Verantwortung zusammen.

„Wir hoffen, dass der Hochschulrat gute Entscheidungen trifft und möglichst keine falschen.” In einer auch sonst bemerkenswerten Rede ließ Rektor Manfred Schulte-Zurhausen spüren, wie sehr die Geschicke der Fachhochschule nunmehr von der Kompetenz und der Umsicht der zwei Frauen und sechs Männer abhängen, denen NRW-Wissenschaftsmininister Andreas Pinkwart anschließend ihre Bestellungsurkunden überreichte.

Hochschulen müssten verstärkt unternehmerisch denken, „aber wir sind keine Unternehmen”, fuhr Schulte-Zurhausen fort, um dann eine regelrechte Bitte an den Hochschulrat zu richten: „Hier ist man nicht um reich zu werden und Karriere zu machen. Wir haben andere Führungsstrukturen als Wirtschaftsunternehmen. Das ist aber auch eine besondere Chance. Sich da reinzuknien und dies zu akzeptieren, ist meine Bitte an die Wirtschaftsvertreter im Hochschulrat.”

Um die Schlagwörter „Herausforderung”, „Konkurrenz”, „erhebliche Veränderung” kam auch der Vorsitzende des Senats und der Auswahlkommission für die Mitglieder des Hochschulrats, Marcus Baumann, in seiner kurzen Ansprache nicht herum. Doch anders als Kollege Max Kerner, der bei der Einsetzung des Hochschulrats in der RWTH Ende November als dortiger Vorsitzender doch ein paar verbale Tränen des Abschieds von der Macht seines Senats vergoss, bekundete Baumann, ein Mensch von seebärhaften Ausmaßen, dass man „die Aufgaben gerne abgegeben” habe. „Helfen Sie uns, Türen zu öffnen, erweitern Sie unseren Horizont!”

Beides sollte diesem Hochschulrat eigentlich nicht schwer fallen, den man durchaus unter „erste Wahl” präsentieren kann. Vier ausgewiesene Wissenschaftler (Gisela Engeln-Müllges, Achim Bachem, Heinz Berndt, Klaus Niederdrenk) und ein Wissenschafts-Manager (Klaus Hamacher) gehören ihm an, zwei gestandene Wirtschaftsführer aus der Region (Stephan Kufferath-Kassner, Jochen Bräutigam) und, nicht zuletzt, mit Nina Grunenberg von „Die Zeit” eine herausragende Journalistin.

Zum Vorsitzenden wählte das Gremium in seiner ersten kurzen Sitzung, nicht ganz überraschend, Achim Bachem, den Vorstandsvorsitzenden des Forschungszentrums Jülich; zum Stellvertreter Klaus Hamacher, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt.

Bachem, gefragt, ob er keine Interessenskonflikte sehe angesichts der engen Verbindung des FZ Jülich mit der RWTH, die ja doch auch Konkurrenz zur FH Aachen ist: „Im Gegenteil, ich sehe es als meine Pflicht an, RWTH, Fachhochschule und Forschungszentrum zusammenzudenken. Zusammen decken sie die gesamte Wertschöpfungskette von Forschung und wissenschaftlicher Ausbildung in der Region ab. Es ist eine Chance, das ein bisschen zusammenzubinden.”

Minister Pinkwart schließlich freute sich „außerordentlich”, dass man so „herausragende Persönlichkeiten” gefunden habe und die neue Freiheit in Aachen so genieße. Gelte es doch, heute, „wo die Dinge so viel schneller laufen als noch vor ein paar Jahren”, den „Wohlfahrtsstaat Deutschland” zu erhalten und „die Freiheit zu verteidigen”. An großen Aufgaben wird es FH Aachen und ihrem Hochschulrat also nicht mangeln.