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Köln: Neue Dramaturgie unter einem welken Blumenstrauß

Köln : Neue Dramaturgie unter einem welken Blumenstrauß

In zwölf Minuten kann man problemlos eine prima Penne Rigate mit einer feurigen Arrabiatasoße zaubern. Oder den 5000-Meter-Weltrekord von Kenenisa Bekele auf der Laufbahn brechen. Zwölf Minuten müssen die Fans im Kölner Palladium jedenfalls auf die britischen Indie-Rocker von Bloc Party warten. Man mag es als sicheres Zeichen verstehen, dass die Bloc Party - Kele Okereke, Gordon Moakes, Russell Lissack und Matt Tong - den Sprung vom ehrgeizigen Newcomer zum funkelnden Stern am Musik-Himmel gemeistert haben. Und die Beweisführung folgt auf dem Fuße.

Mit ihrem an Kreativität geradezu übersprudelnden Album „A weekend in the city” haben sich die vier Engländer in der Tat zu einer ernsthaften Rockband weiterentwickelt. Am vorletzten Abend ihrer Deutschlandtour wirkt die Musik reifer, vollendeter.

Wer sich an die ersten Stunden der Bloc Party erinnert, die 2005 mit „Silent Alarm” ein bemerkenswertes Debüt lieferten, sieht springende Teenager und hört ruckelige Riffs. Anno 2007 sind Bloc Party mehr Effekte, mehr Licht und mehr Routine.

Ihre Unbekümmertheit, das wird zwischen älteren Songs wie „Banquet” und „This modern love” deutlich, ist irgendwo in den Top 50 der weltweiten Charts verloren gegangen. Und das ist auch gut so. Denn die Songs klingen nun eindringlicher denn je. Bisweilen, etwa „The prayer”, aber auch „Helicopter”, wirken sie wie in Einzelteile seziert und wieder neu zusammengesetzt.

Kleine Kunstwerke mit neuer Dramaturgie, ausufernden Intros, explosiven Finals und neuem Tempo - welches allerdings Schlagzeuger Matt Tong nicht immer halten kann. Schade. Kele Okereke, der charismatische Sänger mit den kurzen Rastalocken, die ihm wie ein welker Blumenstrauß vor den Augen hängen, säuselt dagegen besser denn je das kuschelige „I still remember” und quietscht dann wieder „Like eating glass”.

Die stimmliche Spielfläche des Sängers ist in jedem Fall spannend. Bei „Sunday” ist es wieder die zarte Seite des 25-Jährigen. Es ist wohl der Höhepunkt eines mitreißenden Konzertes. Gitarrist Russell Lissack trommelt auf einem zweiten Schlagzeug. Die wummernden Beats gehen unter die Haut.

Es ist Zugabenzeit. Fünf Nummern werden letztlich hinten draufgelegt. Nach 85 Minuten geht das Licht wieder an. In der Zeit hätte man von Köln nach Dresden oder von Düsseldorf nach London fliegen können. Na und? Bloc Party sind jede Nanosekunde wert.