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Aachen: Neuanfang als „Kombilöhner”

Aachen : Neuanfang als „Kombilöhner”

Marcelinho Garcia (58) ist einer, der nicht viel redet, sondern anpackt. Der gebürtige Spanier lebt seit seiner Jugendzeit in Deutschland, hat drei erwachsene Kinder. Doch die letzten vier Jahre waren kein Zuckerschlecken: Zuvor hatte er am Bau gearbeitet. Dann ging die Firma pleite, bei der er zuletzt 15 Jahre war.

„Ich habe immer gesucht. Ich wollte arbeiten. Aber zum Schluss haben die Firmen gesagt, dass ich jetzt schon so viele Jahre arbeitslos bin. Die wollten mich nicht.” Nun hat Herr Garcia wieder Arbeit. Er gehört zu den ersten „Kombilöhnern” beim Caritasverband Aachen.

42 Prozent seines Bruttolohns zahlt die Arbeitsgemeinschaft zur Grundsicherung Arbeitssuchender (Arge), zwei Jahre lang. Für Ulrich Zerressen war das ein gutes Angebot. Er ist Leiter eines Wohn- und Pflegeheims des Aachener Caritasverbandes. Garcia war vorher schon Ein-Euro-Jobber bei ihm und hat sich bewährt. „Herr Garcia ist fleißig, zuverlässig und pünktlich.” Deshalb hat Zerressen in die Tasche gegriffen und die neue Kombilohn-Stelle geschaffen.

In diesem Fall ging die Rechnung der nordrhein-westfälischen Landesregierung auf. Mit dem zwei Jahre langen Kombilohn-Projekt will sie neue Beschäftigungsfelder für Arbeitslose erschließen, die auf dem Arbeitsmarkt kaum noch eine Chance haben. Ziel sind 5400 Kombilohnstellen bis Ende 2007. Allein 500 davon wollen die Caritasverbände in den fünf Bistümern schaffen.

Thomas Kley hat aber die Erfahrung machen müssen, dass es gar nicht so leicht ist, Einrichtungen trotz des finanziellen Anreizes zu bewegen. Arbeit ist genug da, überhaupt nach der Verkürzung des Zivildienstes, hört der Caritas-Fachreferent und Ansprechpartner für Kombilohn in den Caritas-Einrichtungen. „Aber die Leute wollen lieber einen gleichmäßig schlechten Zustand als nur kurzfristig einen guten”, bringt er die oft gehörten Bedenken auf den Punkt. Was nach zwei Projektjahren ist, sei völlig offen.

Die Caritas setzt darauf, dass sich mit dem Rückenwind des Kombilohns „haushaltsnahe Dienste” entwickeln. Darin kommen Alltagshelfer für ältere Menschen zum Einsatz, die zu Hause leben, aber nicht mehr selbst putzen, einkaufen oder kochen können. Das wäre ein neues Beschäftigungsfeld.

Elke Breidenbach arbeitet in der Regionalagentur Aachen, dem Scharnier zwischen Ministerium und Projektpartner. Voraussetzungen für den Kombilohn seien die Sozialversicherungspflicht und der Stundenlohn zwischen 6,23 und 9,08 Euro, sagt sie. Daneben gibt es die Möglichkeit eines so genannten Minderleistungsausgleich, wenn Beschäftigte nicht die volle Leistung erbringen. Die Regelung ist auf Aachen zugeschnitten, aber regional im Land unterschiedlich.

Auf Bundesebene ist ein Kombilohn für junge und ältere Arbeitslose geplant. Das Düsseldorfer Arbeitsministerium erwartet durch das Projekt Erkenntnisse, für welche Arbeitgeber der Kombilohn interessant ist und welche Tätigkeitsfelder sich neu erschließen können. „Diese Erfahrungen können für eine zügige Umsetzung des Bundesprogramms nützlich sein”, erklärte ein Sprecher des Ministeriums.

Herr Gracia erledigt Arbeiten, die den Bewohnern des Alten- und Pflegeheims das Leben angenehmer machen. Für den Heimleiter Zerressen ist diese Arbeit Geld wert, weil sie zum guten Ruf seines Hauses beitrage. Wenn alles wie geplant läuft, wird Herr Garcia auch nach zwei Jahren Kombilohn einen Arbeitsplatz haben. Der Chef will ihn behalten. Das Alten- und Pflegeheim soll ausgebaut werden. Da braucht man einen guten Hausmeister.